Lichtergang folgt auf Biergarten-Öffnung
Foto: Sudbrock
„Danke“ sagen die Inhaber des Rietberger Cafés Päusken allen, die ihnen nach der rechtswidrigen Biergarten-Öffnung am Gründonnerstag den Rücken stärken. Die Welle der Solidarität ist offenbar groß. Nun ist für den kommenden Montag ein Lichtergang geplant als Zeichen gegen die aus Sicht der Organisatoren widersprüchlichen Corona-Maßnahmen.
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Ab 18 Uhr wollen die Teilnehmer ihre Stimme gegen die aus ihrer Sicht widersprüchlichen Corona-Maßnahmen erheben. Die Versammlung werde von Privatpersonen organisiert und sei bei der Polizei angemeldet, sagt Päusken-Betreiberin Sabine Goller auf Nachfrage dieser Zeitung. Allein aus Rietberg haben demnach bereits rund 50 Personen ihr Kommen fest zugesagt. Insgesamt geht die Gastronomin von 100 bis 150 Mitstreitern aus.

„Wir wollten ein Zeichen setzen“

Rückblick: An Gründonnerstag hatten die Eheleute Sabine und Frank Goller entgegen der Corona-Schutzverordnung ab 11 Uhr Gäste in ihrem Biergarten bewirtet. Nachdem das städtische Ordnungsamt zweimal vergeblich versucht hatte, die sofortige Schließung zu erwirken, wurde das Treiben schließlich gegen 16.30 Uhr mithilfe der Polizei unterbunden. Die Gollers hatten daraufhin bei Facebook sowie in dieser Zeitung Stellung bezogen und die Öffnung verteidigt. „Wir wissen, dass wir nicht hätten öffnen dürfen, aber wir wollten damit ein Zeichen setzen“, hatte die Inhaberin betont.

Dieses Zeichen hat offenbar eine enorme Strahlkraft weit über die Emskommune hinaus entwickelt, schenkt man Sabine Goller Glauben. „Uns haben bestärkende Rückmeldungen aus Bayern, dem Schwarzwald, ja sogar aus Dänemark und Tschechien erreicht“, sagt sie und berichtet von bislang gut 500 Briefen, E-Mails und Anrufen. Unter den Absendern fänden sich auch Rechtsanwälte und Ingenieurbüros. „Die Leute sind froh, dass endlich einmal jemand etwas gesagt hat.“

Solidaritätsbekundung mit allen Gastronomen

Für zusätzliche Außenwirkung dürfte der ehemalige „Focus“-Journalist Boris Reitschuster gesorgt haben: Auf seiner Internetseite www.reitschuster.de, auf der er „kritischen Journalismus – ohne ‚Haltung‘ – ohne Belehrung – ohne Ideologie“ verspricht, schreibt er unter anderem zum Fall Päusken: „Eine Armada aus 14 bewaffneten Polizisten, vier Beamten des Ordnungsamts, dem Rechtsbeistand der Stadt und dem Bürgermeister lässt keine Zweifel, wer die Macht im Staate hat.“ Stellungnahmen der genannten Akteure werden derweil nicht eingeholt. Es bleibt bei der Informationslage aus Sicht der Inhaberfamilie. Auf seiner Internetseite lockt Reitschuster zudem mit Titeln wie „Forscher: Kaum Ansteckungsgefahr im Freien, Lockdown schadet“, „SPD-Urgestein: „Der Bundestag muss dem Corona-Wahnsinn des Kanzleramts Einhalt gebieten“ oder auch – unter der Rubrik „Empfohlen“ – „Zwangstests: Söder übergeht Eltern“ und „Wir werden hier den Kindern mehr Schaden, als es sich einige überhaupt vorstellen können“.

Der Lichtergang, der am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am Torfweg starten soll, ist nach Angaben von Sabine Goller nicht nur für das Päusken, sondern vielmehr als Solidaritätsbekundung mit allen Gastronomen und Einzelhändlern gedacht. Die Organisatoren des Gütersloher Lichtergang-Pendants hätten sich ebenfalls bei ihr gemeldet: „Sie wären gern dabei, aber da ihre Versammlung am gleichen Tag stattfindet, ist das nicht möglich.“

Nur 25 Teilnehmer angemeldet

Mark Kohnert, Pressesprecher der Polizei Gütersloh, bestätigt gegenüber dieser Zeitung die Antragstellung der Rietberger Versammlung von Privat. Demnach wurden maximal 25 Teilnehmer angemeldet. Bei Facebook wird die Zusammenkunft mit den Worten beworben, es bestehe keine Maskenpflicht, der Mindestabstand müsse jedoch eingehalten werden. „Das ist grundsätzlich korrekt“, sagt Kohnert mit Verweis auf die aktuelle Corona-Schutzverordnung.

Dort heißt es unter Paragraf drei: „Soweit keine Verpflichtung zum Tragen einer höherwertigen Maske nach Absatz zwei oder anderen Vorschriften dieser Verordnung vorliegt, besteht die Verpflichtung zum Tragen einer Alltagsmaske unabhängig von der Einhaltung eines Mindestabstands (...) bei den nach dieser Verordnung ausnahmsweise zulässigen Zusammenkünften, Versammlungen und Veranstaltungen und einer Teilnehmerzahl von mehr als 25 Personen unter freiem Himmel.“ Im Klartext: Wer unter der genannten Personenhöchstgrenze bleibt, kann auf den Mund-Nase-Schutz verzichten.

Polizei kann auf Maskenpflicht drängen

„Dieser Kniff wird bei Anmeldungen von Versammlungen im Dunstkreis der Corona-Maßnahmen häufig verwendet“, räumt Kohnert ein, betont aber zugleich: „Im Rahmen der Antragstellung prüfen wir nicht nur das Formular auf Richtigkeit, sondern auch darüber hinaus.“ Sollten sich dabei größere Ungereimtheiten ergeben, etwa bei der erwarteten Teilnehmerzahl, könne man die Genehmigung versagen. Und: Bekommt der Rietberger Lichtergang das Okay der Behörde, behält diese auch vor Ort das Geschehen im Blick. „Kommen tatsächlich deutlich mehr Menschen, als angemeldet, kann auf die Einhaltung der dann bestehenden Maskenpflicht gedrängt und im Fall der Fälle auch die Versammlung aufgelöst werden.“

Inhaber wollen Verfassungsgericht anrufen

Die Gollers planen derweil bereits weiter: Sie wollen gegen die Corona-Einschränkungen vor das Verfassungsgericht ziehen. Wie Sabine Goller sagt, ist ein Münchener Gastroverband mit diesem Vorhaben an ihre Familie herangetreten. „Viele Leute wollen uns mit Spenden unterstützen. Mit dem Geld wollen wir einen Anwalt bezahlen, der unser Anliegen vor dem Verfassungsgericht vertritt.“ Ein entsprechendes Spendenkonto sei bereits eingerichtet worden. Sollte Geld übrig bleiben, werde dieses einem gemeinnützigen Zweck zukommen.

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