Mastholte erhält 25-Meter-Kunstwerk
Bild: Daub
Diese Zimmermänner bauten den Mastholter Handwerkerbaum zusammen: (v. l.) Ideengeber Stefan Petermeier, Bernhard Laumeier, Michael Petermeier, Michael Grefer, Ulrich Eickhoff, Matthias Weiß, Rerinhard Poll und vorn der Jüngste: Tim Petermeier.
Bild: Daub

Sichtbar stolz präsentierte der Heimatverein der Öffentlichkeit ihr eindrucksvolles Gemeinschaftsprojekt an der Kreuzung Rietberger Straße/Langenberger Straße gegenüber von Haus Reilmann. Viel Volk lief auf, der örtliche Spielmannszug, geleitet von Bernd Wimmelbücker, musizierte. Bratwurst- und Bierbuden verzeichneten Andrang. Alle Blicke richteten sich auf die 400 Quadratmeter große Parzelle, auf der im Dezember ein Riesenbagger den „Urwald“ des früheren „Pastors Garten“ beseitigt hatte.

Auf dem Kirchengrundstück steht jetzt der Handwerkerbaum, umgeben von 500 Lavendelbüschen, 200 Gräserarten, 100 Zwergkiefern und anderen Bodendeckern, die ein Mastholter Gärtner – wie alle anderen Helfer ehrenamtlich im Einsatz – gepflanzt hat.

Gisbert Schnitker, Vorsitzender des Heimatvereins, der sich als Träger das Projekt auf die Fahne geschrieben hat, konnte bei der Eröffnung mit Stolz vermerken, dass Helfer und Spender im Ort die Maßnahme kräftig unterstützt haben. Etwa 10 000 Euro sollen an Materialkosten angefallen sein. Die Kosten des Baums mit seinen zwei Dutzend schönen Figuren, die Holzbildhauerin Nicola Mazrek und Kunstschreiner Jürgen Ecks zugeschrieben werden, trägt die Mastholter Handwerkerschaft.

Zimmerermeister Petermeier hat sich Traum verwirklicht

Der Mastholter Zimmerermeister Stefan Petermeier (64) hat sich dafür erfolgreich stark gemacht. Er hat damit auch seinen Traum verwirklicht, einen solchen Baum an besonderer Stelle zu etablieren, um an die Zünfte zu erinnern, die den Ortsteil groß gemacht haben. So sind an dem Baum verschiedene Vertreter von holzverarbeitenden Berufsständen und sogar ein Speditionstransporter verewigt.

Direkt unterhalb der grünen, buntgebänderten Krone sind die Klassiker des Handwerks sichtbar – ein Schornsteinfeger und ein Zimmermann. Auch Bäcker, Bauer und Schmied wurden nicht vergessen. Als Tobias Junker, früher als Gärtner, heute als Baumkletterer beruflich tätig, nach dem Festakt den Handwerkerbaum erklomm, um die Ketten des Krans zu lösen, klatschten die Bürger Beifall.

Erstmals um 1585 sollen Zunftbäume im westfälischen Raum errichtet worden sein. Dies erfuhren die Teilnehmer des Richtfests von Ortsvorsteher Gisbert Schnitker, der betonte, der Plan, nach historischen Vorgaben den Zunftbaum zu errichten, sei aufgegangen.

„Der Gedanke, einen Maibaum aufzustellen, war nicht mein Ansinnen“, sagte Chefzimmerer Stefan Petermeier. Die „Mastholter Variante“ habe rund vier Jahre Vorbereitungszeit gekostet. Erst im Sommer 2012 sei der richtige Standort, nämlich der ehemalige „Pastors Garten“, mit Hilfe von Stadt, katholischer Kirchengemeinde und dem Rietberger Jugendwerk ausfindig gemacht worden.

Mehr als 72 Sach- und Geldspenden

35 Helfer hätten in 520 Arbeitsstunden die Geländegestaltung und Baumaßnahmen realisiert. Mehr als 72 Sach- und Geldspenden hätten ihr Scherflein dazu beigetragen. Mündliche Spendenzusagen hätten die Vorkalkulation von benötigten 48 000 Euro Kosten abgesichert. Städtebaulich, betonte Schnitker in Anwesenheit von Bürgermeister Andreas Sunder, habe der Ortskern mit dem Handwerkerbaum eine Perle hinzugewonnen.

Damals sei es bei der Aufstellung von Mai- und Zunftbäumen oftmals zu Ausschreitungen gekommen, weshalb diese Tradition im 19. Jahrhundert verboten worden sei. Dieses Verbot gebe es heute nicht mehr. „Mit Blick auf den kommenden Wahlsonntag sollte aber niemand auf den Gedanken kommen, diese Unsitte wieder zu schüren“, scherzte Schnitker.

SOCIAL BOOKMARKS