Missbrauchsvorwurf gegen Hobbyjäger

Vor dem Schöffengericht Gütersloh hat am Dienstag eine Hauptverhandlung begonnen, in der ein 46 Jahre alter Rietberger Geschäftsmann wegen sexuellen Missbrauchs von drei Kindern angeklagt ist.

In seinem Haus in der Innenstadt soll er die Mädchen im Jahr 2015 – damals waren sie neun und zehn Jahre jung – zu „Modenschauen“ aufgefordert haben. Der Angeklagte schwieg zunächst, er leugnete gestern die in sieben Einzelhandlungen gefassten Tatvorwürfe, wie sein Anwalt in einer kurzen Erklärung zur Sache bekannt gab.

Das Gericht steht, wie so häufig in solchen Verfahren, vor der Frage der Glaubwürdigkeit der Parteien. Die Vorsitzende Richterin, die mit zwei Schöffen die Verhandlung eröffnete, forderte behutsam eine heute 13-jährige Zeugin dazu auf, einzig die Tatsachen zu schildern. Sie wies das Mädchen, das mit seinen Eltern erschienen war, ausdrücklich darauf hin, Fakten vorzubringen, um mit den Mitteln der Objektivität Behauptungen beurteilen zu können, die in sieben Einzelvorwürfen der Anklageschrift enthalten sind. Die Öffentlichkeit war während dieser Aussage ausgeschlossen.

Aus der Anklageschrift geht hervor, dass es zwischen April und August 2015 bei sieben Gelegenheiten zu sexuellem Missbrauch und körperlichem Misshandeln gekommen sein soll. Die Mädchen seien auf den Hund des Angeklagten aufmerksam geworden, hätten sein Haus betreten und bestimmte Requisiten sowie einen Waffenschrank, die auf sein Steckenpferd hinwies, bewundert. Beim ersten Besuch habe der 46-Jährige den Kindern vorgeschlagen, eine „Modeschau“ für ihn durchzuführen, bei der sich seine kleinen Gäste bis auf ihre Unterhosen entkleiden mussten. Mit Schals und Krawatten des Gastgebers mehr unverhüllt als bekleidet hätten die Kinder dazu beigetragen, dass sich der Mann währenddessen ins Bett gelegt und „sexuell erregt“ habe. Weitere Details gingen aus der Anklageschrift nicht hervor. Doch sie enthält den Hinweis auf eine angebliche Ankündigung des Angeklagten: „Ich mache euch das Leben zur Hölle, falls ihr euren Eltern etwas erzählt.“

Ebenso schwer wiegt die Feststellung der Staatsanwaltschaft, die Kinder hätten sich aus diesem Grund nach ihrem ersten Besuch zu weiteren Treffen im Eigenheim des Angeklagten „verpflichtet gefühlt“. Schließlich hätten die Mädchen jedoch einvernehmlich beschlossen, den Mann nicht mehr aufzusuchen und danach ihre Eltern informiert.

Der Prozess soll voraussichtlich am Dienstag, 13. März, fortgesetzt werden.

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