Mit Nadel und Faden gegen das Virus
Bild: Vredenburg
Atemschutzmasken in Hülle und Fülle: Eva Fricke (l.) koordiniert die Verteilung, während Claudia Kneuper nähbegeisterten Helfern als kompetente Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Sie ist erreichbar unter w 05244/8114.
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Die beiden haben in Kooperation mit den Hausärzten 50 nähbegeisterte Frauen in der Emsstadt dazu aufgerufen, Mundschutzmasken herzustellen. Da das aufgrund des grassierenden Coronavirus’ freilich nicht in Gemeinschaftsarbeit geht, werkelt jede für sich zuhause. „Wer die Energie hat, nicht nur für sich selbst, für Nachbarn, Verwandte und Freunde zu nähen, ist herzlich eingeladen, handgefertigte Exemplare bei uns an der evangelischen Kirche abzugeben“, sagt Eva Fricke.

Starterkits bieten Material für zwei Masken

„Für die ersten zwei Masken haben wir Starterkits mit Vorlagen und ausreichend Material vorbereitet“, ergänzt Claudia Kneuper. Beide hoffen auf weitere fleißige Hände, denn je bunter und breiter die Aktion gestreut wird, umso eher steige vielleicht die Akzeptanz für das Tragen eines solchen Schutzes, stellen die Initiatorinnen heraus. „Außerdem brauchen wir in dieser Zeit etwas, was den Zusammenhalt stärkt und den Kontakt untereinander sichert – auch wenn jeder allein für sich näht und der Austausch nur über soziale Medien stattfindet“, sagt Fricke.

Für die Fertigung können auch eigene Stoffe aus atmungsaktiven Materialien wie einem T-Shirt oder einem leichten Baumwolltuch verwendet werden. Sie müssen allerdings bei 95 Grad waschbar sein. „Wer kein eigenes Material hat oder Schräg- und Gummiband benötigt, kann sich bei mir melden. Wir packen dann ein Paket und stellen es vor die Haustür“, verspricht Kneuper.

Die ersten 1000 Exemplare sollen an die Hausärzte im Stadtgebiet verteilt, alle weiteren Exemplare bei Discountern kostenlos ausgelegt werden. Der Rietberger Mediziner Dr. Reinhard Hochstetter würde sich wünschen, vor Ort nur noch Menschen mit einem Mundschutz außerhalb ihrer Wohnungen zu sehen: „Da es noch keine Medikamente und Impfungen gegen Corona gibt, ist jeder zusätzliche Schutz ein großer Vorteil“, unterstreicht er im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Virus verbreite sich vorrangig über Tröpfchen beim Sprechen und Husten. Eine Mund-Nasen-Maske könne die Verteilung dieser Tröpfchen auf Personen und Gegenstände deutlich vermindern. „Man schützt damit also in erster Linie seine Mitmenschen“, sagt der praktische Arzt.

Dr. Reinhard Hochstetter: „Behelfs-Mundschutz eine sehr gute Idee“

„Da es leider fast keine Masken mehr zu kaufen gibt, ist die Herstellung eines Behelfs-Mundschutzes eine sehr gute Idee“, lobt Dr. Reinhard Hochstetter die Initiative von Claudia Kneuper und Eva Fricke. Eine solche Eigenproduktion sei zwar weder geprüft noch zertifiziert, aber es seien nun einmal besondere Zeiten. Selbst der namhafte Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité halte die Wirksamkeit einer solchen Maske für nahezu genau so gut wie ein reguläres Produkt.

Spendenkonto des Bibeldorfs: Volksbank Rietberg, DE93 4786 2447 0050 9000 01
„Alle Patienten, die in unsere Praxen kommen, erhalten so eine Maske, um die Verteilung von Tröpfchen auf Personen und Gegenstände zu vermindern“, erklärt Hochstetter. Er weist in diesem Zusammenhang auf die Gefahr hin, dass Infizierte bereits zwei Tage, bevor sich die ersten Symptome zeigen, ansteckend sind. Daher stehe das Unterbrechen der Infektionskette im Vordergrund der Bemühungen. Der Mund-Nasen-Schutz dürfe allerdings nicht dazu verleiten, mit Erkältungssymptomen nach draußen oder zum Einkaufen zu gehen. „Wer krank ist, muss zu Hause bleiben“, stellt der Hausarzt heraus. Wer nicht nähen kann, die Aktion aber trotzdem unterstützen möchten, kann dies über das Spendenkonto des Bibeldorfs bei der Volksbank Rietberg tun.

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