Mordprozess kurz vor dem Abschluss

Der zweite Prozess vor dem Landgericht Bielefeld, der darüber aufklären soll, wer die Hauptschuld für den am 3. November 2015 verübten Raubmord in Westerwiehe trägt, geht voraussichtlich in absehbarer Zeit ohne gravierende neue Erkenntnisse zu Ende.

Dr. Marc Brüning, Vorsitzender Richter der ersten Strafkammer, kündigte am Freitag an, am 27. Februar die Beweisaufnahme abschließen zu wollen. Ob es nochmals zur Aussage der früheren Freundin des Angeklagten Robert D. kommt, die mit ihm zum Tatzeitpunkt zusammengelebt hat, ist offen. Sie hat zuletzt telefonisch aus den Niederlanden dem Landgericht mitgeteilt, sie sei bedroht worden, habe Angst um ihre Kinder und werde deshalb auch eine audiovisuelle Vernehmung ablehnen.

Angeblich am Raubmord nicht beteiligt

Die Verteidigung von Artur T., der wie Robert D. im ersten Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist, kündigte an, ihr Mandant werde am 27. Februar eine handschriftlich verfasste Erklärung zur Sache abgeben. Er will an dem Raubmord nicht unmittelbar beteiligt gewesen sein, sondern einem anderen Beschuldigten sein Auto für die Fahrt am Tattag nach Westerwiehe überlassen haben.

Exhumierung von „Sexmister“ abgelehnt 

Diese Version vertreten weiterhin seine beide Anwälte, die sich Aussichten ausrechnen, dass im zweiten Prozess das „Lebenslänglich“ für ihren Mandanten in eine deutlich kürzere Haftstrafe umgewandelt wird. Alle Anträge der Verteidigung, darunter die Forderung, einen mutmaßlich am Raummord beteiligten Polen namens „Sexmister“, der 2016 verstorben ist, zu exhumieren und damit DNA-Spuren zu sichern und abzugleichen, hat die Strafkammer abgelehnt.

Suche nach Viktor eingestellt

Ebenso soll nicht nach jenem mysteriösen Russen namens Viktor, in dem die Verteidigung jene Person vermutet, die den tödlichen Angriff auf eines der beiden Opfer zu verantworten habe, weiter gesucht werden. Für die zwei Verteidiger von T. ist es indessen „für die Schuldfrage unseres Mandanten nicht entscheidend“, ob der verstorbene Pole oder Viktor oder ein in Polen verurteilter Berufsverbrecher, der in Bielefeld als Zeuge vernommen worden ist, beteiligt gewesen waren oder nicht. Man habe der Strafkammer im Rahmen der Beweisaufnahme jedoch zu „neuen Erkenntnissen“ verholfen.

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