Motorradfahrer reisen mit Gottes Segen
Bild: Inderlied
Echte Zweirad-Liebhaber: (v.l.) Hubert Westermann, Ralf Johannleweling und Otto Hartmann.
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Den Segen des Schutzpatronen Christopherus für eine allzeit sichere Fahrt hatte zuvor Pastor Guido Schulte gespendet. „Es wird alles gesegnet, was Räder hat. Vom Bobbycar bis zum Trecker“, sagte Hartmann. Schade nur, dass der Wettergott es nicht gut mit den Motorradfahrern meinte und eine flächendeckende Segnung in Form von Regenwasser auf die Erde schickte. Doch wer ein echter Biker ist, der lässt sich auch von gelegentlichen Schauern nicht abhalten. So brach immerhin eine kleine Gruppe von zehn Fahrern auf zur traditionellen ersten Ausfahrt, die in diesem Jahr zum 45 Kilometer entfernten Gut Humbrechting in Lippetal führte.

Kleine Glücksbringer am Fahrzeug

Bereits zum 20. Mal hatte die Männergemeinschaft in Varensell die Motorrad- und Fahrzeugsegnung organisiert. Knapp 50 Zweiräder, einige Fahrräder und auch viele Autofahrer bekamen den kirchlichen Segen für eine hoffentlich unfallfreie Saison. Pastor Guido Schulte hatte die Heiligen und insbesondere den Schutzpatron Christopherus angerufen, bevor er mit Weihwasser die motorisierten Gefährten segnete. Wer einen kleinen Glücksbringer an seinem Fahrzeug mitführen wollte, konnte für kleines Geld eine Plakette oder einen Schlüsselanhänger mit dem heiligen Christopherus erwerben.

Für Hubert Westermann aus Rheda-Wiedenbrück und Ralf Johannleweling aus Westerwiehe hat die Motorradsaison nicht erst mit der Fahrzeugweihe begonnen. „Knapp 1500 Kilometer bin ich schon gefahren“, berichtete Westermann, während er sich selbstgebackene Plätzchen mit einem Motorrad als Motiv schmecken ließ, die Otto Hartmann an die Besucher verteilte. „Wenn man sich mit dem Glauben verbunden fühlt, dann gehört das einfach dazu. Da muss ich schon krank in der Ecke liegen, bevor ich mir die Segnung entgehen lassen“, erklärte Ralf Johannleweling.

Die Zweiradbegeisterten nutzten auch die Gelegenheit, untereinander die Maschinen zu begutachten und ein wenig fachzusimpeln. Die Blicke zogen zwei perfekt erhaltene Maschinen des Fabrikats Miele auf sich. „Das ist der sogenannte Pättkenschnüwer“, stellte Roland Kramer aus Gütersloh seine historische Maschine aus dem Baujahr 1952 vor.

Gemächlich mit Tempo 50

Der „Motorrad-Oldie“ bringt mit seinen 98 Kubikmetern etwas mehr als Tempo 50 auf die Kette und kriecht im Vergleich zu modernen Maschinen regelrecht den Berg hinauf. Deshalb ist der Name (Pättkes: schmaler Weg, Schnüwer: schnaufen) passend. „Damit fahre ich immer von Gütersloh nach Avenwedde zu meinem Stall“, berichtete Kramer.

Das alte Schätzchen sei ideal für die kurzen Touren. „Das Motorrad ist richtig robust und verbraucht fast nichts. Nur anderthalb Liter auf 100 Kilometer“, sagte Kramer. Etwas mehr Leistung unter der Haube hat die Miele von Sieghart Büterowe aus Rheda-Wiedenbrück, der zusammen mit Kramer dem Linteler Verein Pättkenschnüwer-Freunde angehört. Die Maschine mit 147 Kubikmetern ist 1953 für den ausländischen Markt gebaut worden, gut zu erkennen an den farbigen und verchromten Außenblechen. „Miele hat für das Inland seine Motoräder in schwarz produziert“, erklärte Büterowe.

Mit einem ganz anderen Kaliber war Franz-Josef Stuckstätte aus Oelde gekommen. Knapp 1600 Kubikmeter bringt seine Rewaco mit VW-Motor auf die Straße, mit bis zu Tempo 150 könnte der 68-Jährige über die Autobahn rauschen. „Ich nutze das Motorrad aber nicht zum Rennfahren, sondern zum Spazierenfahren“, stellte Stuckstätte klar. Bis nach Österreich sei er mit seinem sechs Jahre alten Gefährt schon unterwegs gewesen. Schnell hatten sich die Biker-Freunde um ihn geschart, um einen Blick auf das imposante Motorrad zu werfen. Mit Original-Zubehör vom Werk hatte der Oelder seine Maschine aufgewertet. „Sie ist richtig bequem zu fahren“, schwärmte der 68-Jährige, der seit seinem 18. Lebensjahr mit dem Motorrad unterwegs ist.

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