Müll ist wertvoll und Geld stinkt nicht
Bild: von Stockum
Sehen sich 2019 in der Situation, "dass wir weiterhin Wertstoffe aus privaten Haushalten erfassen dürfen": Matthias Delker (l.) und Hermann Kathöfer auf dem Betriebshof an der Druffeler Straße.
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Was da unterhalb der Spüle mitunter etwas unangenehm riecht, ist nicht einfach nur Abfall: Dort liegt die Grundlage zum Geschäftetreiben. Einer, der seine Brötchen damit verdient, ist Hermann Kathöfer. Der Abriss-, Hochbau- und Entsorgungsunternehmer aus Druffel ist Betreiber des gegenwärtigen Recyclinghofs an der Industriestraße, der den Aufsichtsbehörden zufolge nicht rechtskonform arbeitet. Was genau dort nicht im Sinn des Erfinders sein soll, darüber ließe sich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag streiten. Hermann Kathöfers Kurzfassung ist griffig: „Es geht um Geld.“

Seit geraumer Zeit kritisieren Verbände die Störung des Wettbewerbs. „Kommunale Unternehmen verdrängen die private Entsorgungswirtschaft zunehmend aus den von ihr fast über ein Jahrhundert auf- und ausgebauten Märkten, ohne dass es zu einer Stärkung des Recyclings kommen würde“, monierten führende Interessensvertreter bereits 2013 in einem Schreiben an das Bundesumweltministerium. Die Verdrängung erfolge hierbei nicht nur in Form von Untersagungen, sondern auch durch Befristungen und Auflagen.

Die Forderung seiner Interessensverbände nach mehr Wettbewerb in der Branche könnte Hermann Kathöfer so unterschreiben. In einem Übergangszeitraum, der 2019 endet, dürfen Ottonormalverbraucher ihre Wertstoffe und Abfälle noch bei seinem Unternehmen anliefern. Danach soll nur noch gewerblicher Müll angenommen werden dürfen – so sehen es zumindest die Aufsichtsbehörden. Der von Kathöfer beauftragte Rechtsanwalt Professor Dr. Martin Dippel ist anderer Auffassung: „Klar ist, dass die Firma Kathöfer weiterhin in der Lage sein wird, in Rietberg Abfälle auch aus privaten Haushaltungen zu erfassen.“

Wie auch immer: Für die Zeit danach steht bereits die Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen im Kreis Gütersloh (GEG) in den Startlöchern – eine 100-prozentige Tochter des Kreises Gütersloh. Eine Ausschreibung muss es nach Auffassung von Stadt und Kreis nicht geben. Man bilde eine interkommunale Kooperation. Und da der Kreis mit der GEG über eine eigene Gesellschaft zur Entsorgung verfügt, handelt es sich um ein „Inhouse“-Geschäft. Mitbewerber aus der Privatwirtschaft sind damit außen vor.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Samstag, 7. Mai 2016, auf den Rietberg-Seiten.

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