Nachteule Domian legt den Hörer auf
Bild: Nienaber
Jürgen Domian im Rietberger Rundtheater.
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Am Samstag gewährte der Seelentröster der Nation in Rietberg einen Einblick in 21 Jahre „Domian – Das Talk-Telefon“. „Domian redet“ ist die Abschiedstournee betitelt – und genau das bekamen die Besucher im ausverkauften Cultura-Rundtheater geboten. Statt der nächtlichen Anrufer ist es im Rollentausch der Wahl-Kölner gewesen, der über sein Befinden, sein Leben nach dem Aus der Kult-Radioshow und über seine Erinnerungen an die vergangenen fast 22 Jahre sprechen wollte. Die Fragen stellte Moderatoren-Kollege Olli Briesch. Als Studio musste die lediglich mit zwei Sesseln und einem übergroßen Hirschen dekorierte Bühne der „Blechbüchse“ herhalten, was der Intimität der Interview-Erzählstunde keinen Abbruch tat.

Ob er aus freien Stücken den Studiohocker geräumt oder ob es andere Beweggründe gegeben habe, wollte Briesch von seinem Gegenüber wissen. Und wie man es von seinen Sendungen her kannte, nahm Domian kein Blatt vor dem Mund, verriet Intimes, ohne geschwätzig zu wirken.

So erfuhr das Publikum, dass das Leben als Nachteule nicht geringe körperliche Spuren hinterlassen habe. „In den letzten Jahren der Show habe ich mehrmals trotz eines Hörsturzes moderiert“, verriet der 59-Jährige. Einen Freundeskreis aufzubauen? Dafür habe er keine Zeit gehabt. Die Arbeit zu Zeiten, in denen der Großteil der Bevölkerung im Bettchen weilt, habe ihn gewissermaßen vereinsamt.

20 000 Anrufer pro Nacht, 150 davon klopfte das Domian-Team auf Sendetauglichkeit ab, sechs bis sieben schafften es „on Air“ – in fast 22 Jahren hat Jürgen Domian so ziemlich alles gehört. Sex-Themen? Hätten früher mehr gezogen als zuletzt. Schicksalsschläge? Hätten ihn manchmal stark mitgenommen.

Persönlichen Kontakt zu den Anrufern habe er trotzdem nie aufbauen wollen. „Daran wäre ich zugrunde gegangen“, unterstrich Domian. Ganz wenige Ausnahmen habe er aber schon gemacht. Etwa bei einer 17-Jährigen. Celia war aussichtslos an Mukoviszidose erkrankt, hatte nur noch Wochen zu leben. Im nächtlichen Gespräch nahm der Moderator dem Mädchen die Angst vor dem Tod. Zweimal sprachen sie noch miteinander. Der dritte Anruf kam von der Mutter: Celia hatte den Kampf gegen die Krankheit verloren.

Seit Mitte Dezember ist Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung. Kurz nach der letzten Ausgabe des WDR-Formats, das „der mutige Intendant Fritz Pleitgen“ seinerzeit ermöglicht habe, habe er eine Lungenentzündung bekommen, lag mehrere Tage im Krankenhaus. „Mein Arzt sagte mir, dass das nichts Ungewöhnliches ist, wenn man nach einer stressigen Zeit zur Ruhe kommt. Da breche es aus einem heraus“, verriet Jürgen Domian den Rietbergern. Pläne für die berufliche Zukunft habe er nicht geschmiedet. Er Lebe im Hier und Jetzt, wie es der Zen-Buddhismus, den er für sich entdeckt habe, propagiere. Schon „ganz bald“ wolle er sich einen Hund anschaffen. Ein Berner Sennenhund soll es sein. Sein geliebtes Lappland werde er sicher auch noch des Öfteren besuchen.

Und ein Buch ist in der Mache. „Dämonen“ soll von einem Mann handeln, der im Juni beschließt, sich im Dezember auf Reisen selbst zu töten. „Du schreibst doch nicht von dir selbst?, fragte eine beängstigte Besucherin der Show. „Nein, keine Angst“, wusste Domian zu beruhigen, „wenngleich in jedem Buch etwas von dem Autoren steckt.“

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