Orgelbauer Speith vor dem Aus gerettet
Der Fortbestand des ältesten Orgelbauers in Nordrhein-Westfalen sei gesichert, sagt der Insolvenzverwalter.

Wegen Zahlungsunfähigkeit ist vor dem Amtsgericht Bielefeld ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Der Antrag dazu wurde von Inhaber Ralf Müller gestellt, der den Betrieb 1996 von seinem Vater Günther übernommen hatte. Zum Insolvenzverwalter ist Peter Henz ernannt worden. Der Wiedenbrücker Rechtsanwalt hat sich in den vergangenen Wochen in die Materie eingearbeitet und ist nun guter Dinge, „eine wunderbare Lösung hinbekommen“ zu haben. Der Fortbestand des ältesten Orgelbauunternehmens in Nordrhein-Westfalen sei gesichert.

War Ralf Müller bislang Einzelunternehmer mit vollem Risiko, ist er nun angestellter Geschäftsführer einer Auffanggesellschaft, die sich Anlage- sowie Umlaufvermögen und den Namen gesichert hat. So können er und sein Mitarbeiter wie gewohnt ihrer Tätigkeit am angestammten Standort nachgehen. „Ich bin sehr dankbar, dass uns das gelungen ist“, sagt Henz. Es wäre jammerschade gewesen, hätte das kleine Unternehmen, das sich in einem sehr schwierigen Marktumfeld bewegt, aufgeben müssen, betont der Anwalt.

Gegründet wurde die Rietberger Orgelbauanstalt 1848 von Bernhard Speith. Seither wird in den Räumen an der Straße Im Sack produziert. 1978 übergab sein Enkel Rudolf das Unternehmen an seinen langjährigen Betriebsleiter Günther Müller. Seit 1996 führt dessen Sohn Ralf die Firma in der mittlerweile fünften Generation weiter.

Die Zahl der Aufträge für Orgelneubauten haben in der jüngeren Vergangenheit in der gesamten Branche abgenommen. Es gibt weniger Kirchen, weniger Geistliche und weniger Organisten, die das Instrument spielen. „Wir fertigen Dinosaurier“, hat Ralf Müller anlässlich eines Tags der offenen Tür vor eineinhalb Jahren gesagt, „und die sind auch irgendwann ausgestorben.“

 „Somit werden weiterhin Speith’sche Orgeln von der Kunst der Erbauer zur Ehre Gottes und zum Wohle der Gläubigen erklingen, erzählen und Kunde geben von fünf Generationen Orgelbaugeschichte.“ So heißt es auf der Internetseite des Traditionsbetriebs. Insolvenzverwalter Peter Henz ist optimistisch, dass dieser Satz noch lange Gültigkeit behalten wird.

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