Patentlösungen hat niemand parat
Bilder: Grujic
Diskutierten Chancen und Risiken für die Zukunft des Einzelhandels in Rietberg und seinen sechs Ortsteilen: (v.l.) Simon Tölle (Immobilien- und Standortgemeinschaft), Gabi Pagenkemper (Fotostudio Leweling), Markus Koch (Postagentur), Manfred Vogt (Wirteverein), Josef Beermann (FWG), Wirtschaftsförderer Jörn Frensemeier, Philipp Rieländer (Lüning), Bürgermeister Andreas Sunder und Jürgen Don (FWG).
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Auf einer öffentlichen Fraktionssitzung hat die Freie Wählergemeinschaft (FWG) am Montagabend im Ratssaal des Alten Progymnasiums mit Bürgern, Einzelhandels- und Gastronomievertretern diese und weitere Fragen diskutiert. Auch die Nahversorgungssituation in den Ortsteilen wurde beleuchtet. Fazit am Ende der mehr als zweistündigen Debatte: Patentlösungen für Probleme lassen sich nicht von jetzt auf gleich aus dem Boden stampfen, sie müssen Schritt für Schritt erarbeitet werden. Diesbezüglich wollen Freie Wähler und Gewerbetreibende im Gespräch bleiben.

Parkplätze oft nur schwer zu finden

Einigkeit bestand am Montagabend darin, dass das Parkplatzangebot im Rietberger Stadtkern besser sein könnte. Dabei mangele es aber nicht unbedingt an Stellplätzen, wohl aber an zentralen, großflächigen Parkplätzen, wie es sie beispielsweise in Wiedenbrück gibt. Simon Tölle von der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Rathausstraße: „Es gibt im Ortskern viele kleinere, dezentrale Parkplätze, die auswärtige Kunden aber oft nur schwer finden können.“

ZOB wäre idealer Standort für Parkdeck

Stellflächen direkt vor dem Geschäft oder zumindest in unmittelbarer Nähe sind laut Tölle „ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung und zur Umsatzsicherung“. In dieselbe Kerbe schlug Philipp Rieländer (Lüning-Gruppe/E-Center): „Nur wenn sich die Kunden sicher sein können, dass sie in der Stadt immer einen Parkplatz finden, kommen sie gerne wieder.“

Parkscheiben sind inzwischen überall Pflicht.
Rieländer sprach sich für den Bau eines Parkdecks im Bereich des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) am Torfweg aus. „80 bis 100 Stellplätze müssten es aber schon sein“, unterstrich er. Ein solches Parkdeck wäre insbesondere für Dauerparker interessant, die bislang mit ihren Fahrzeugen Stellflächen in der Innenstadt blockieren. „Ich bin mir sicher: Ein Parkdeck am ZOB würde gut angenommen, sogar wenn die Stadt Gebühren verlangen würde.“ Die Einzelhandelsverbände im Land würden allen größeren Kommunen zur Schaffung zentrumsnaher Stellplätze raten. Nur so ließen sich in Zukunft zusätzliche Umsätze im örtlichen Einzelhandel generieren.

Kontrollen als Zwischenlösung

Aufgrund der hohen Kosten wird der Parkdeck-Bau nach Auskunft von Bürgermeister Andreas Sunder aber noch auf sich warten lassen. In der Zwischenzeit werde sich die Stadtverwaltung bemühen, die vorhandenen Parkplätze im Zentrum besser auszuschildern und auf der kommunalen Internetseite übersichtlich darzustellen, versprach der Bürgermeister. Zudem wies er darauf hin, dass für die meisten Stellplätze im Stadtkern inzwischen eine Höchstparkdauer von zwei Stunden gelte, deren Einhaltung auch kontrolliert werde. Sunder: „Das hat dazu geführt, dass weniger Stellflächen als früher von Dauerparkern blockiert werden und Kunden, die die örtlichen Geschäfte aufsuchen wollen, leichter eine Lücke finden.“

An Einbahnstraßenregelung nicht rütteln

Nicht rütteln wollen Kaufleute und Gastronomen an den zur Landesgartenschau im Jahr 2008 aufgestellten Pflanzinseln sowie an der Einbahnstraßenregelung. Simon Tölle: „Die Situation ist jetzt deutlich besser als vorher.“ Die Neugestaltung der Rathausstraße habe zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt enorm beigetragen.

Nicht missen möchten die Kaufleute Großveranstaltungen wie die „Rietberger Nachtlichter“. Schuhhändler Tölle: „An solchen Tagen machen ich und meine Kollegen gute Umsätze.“ Das sei wichtig, um schwächere Zeiten ausgleichen zu können.

Gut aufgestellte Filialisten können Zugpferde sein

Inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte mit einem attraktiven, hochwertigen Sortiment sind nach Auffassung der Diskussionsteilnehmer das Salz in der Suppe für jede Einkaufsstadt. Doch ohne Filialisten geht es auch nicht. Den 600 Quadratmeter großen Rossmann-Drogeriemarkt am Südtor bezeichneten Händler und FWG-Politiker gleichermaßen als Magnet für die gesamte Stadt. Philipp Rieländer: „Rossmann ist eine Bereicherung für Rietberg.“ Von Zugpferden dieser Kategorie brauche die Emsstadt im Idealfall „noch ein bis zwei mehr“.

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