Pfarrer Dröge zieht es nach Mastholte
Bild: Sudbrock
„Ich bin ja nicht aus der Welt“, sagt Pfarrer Augustinus Dröge, der nach mehr als 31 Jahren Neuenkirchen verlässt und nach Mastholte zieht. Am Sonntag wird er feierlich verabschiedet.
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Allzu weit von Neuenkirchen fortziehen wird Pfarrer Dröge entgegen ursprünglicher Überlegungen nicht. Im Mastholter Wohnpark „Rieke“ hat er eine Wohnung gefunden. Dass er das dortige Mittagessensangebot nutzen kann, sei ein Glücksfall, unterstreicht der Geistliche, denn: „Ich kann nicht kochen.“

„Pensionäre sind gefragte Leute“

Das Vorhaben, seinen Lebensabend in der Domstadt Paderborn zu verbringen, habe er verworfen, sagt Dröge. Stattdessen will er im Rietberger Stadtgebiet bleiben und im Pastoralen Raum sowie in der näheren Umgebung aushelfen, wann immer seine Unterstützung gebraucht werde. „Pensionäre sind gefragte Leute“, sagt Dröge mit Blick auf den bundesweiten Priestermangel.

Künftig will sich der Geistliche auf seelsorgerische Tätigkeiten und das Zelebrieren von Gottesdiensten beschränken. Er freue sich, dass er um die stetig gestiegene Verwaltungsarbeit als Ruheständler einen weiten Bogen machen könne, verrät er.

Zur Person

Pfarrer Augustinus Dröge erblickte am 28. August 1949 in Lippstadt das Licht der Welt. Er studierte katholische Theologie in Paderborn und Bonn. Am 11. Juli 1977 wurde er im Paderborner Dom zum Priester geweiht. Seine erste Vikarstelle war im Anschluss im sauerländischen Olpe. Danach war er von 1980 bis 1984 in der Propsteigemeinde Werl aktiv, bevor er von 1984 bis 1988 in St. Pius Wiedenbrück und Herz-Jesu Batenhorst segensreich wirkte. Am 10. Januar 1988 wurde er Pfarrer in Neuenkirchen und später zusätzlich Leiter des Pastoralverbunds Kirchspiel Neuenkirchen, wozu auch Varensell und Westerwiehe gehören. Die Verabschiedung von Pfarrer Dröge beginnt am Sonntag, 1. September, um 9.30 Uhr mit einem Dankhochamt in der St.-Margareta-Kirche. Ein Empfang im Kolpinghaus an der Gütersloher Straße schließt sich an.

Ans Herz gewachsen seien ihm die Menschen im Wapeldorf in den zurückliegenden drei Jahrzehnten, und Neuenkirchen sei zu seiner zweiten Heimat geworden. Deshalb gehe er mit einer gehörigen Portion Wehmut, bekennt der gebürtige Lippstädter. „Aber ab und an tauche ich ja wieder auf.“

„Viele positive Begegnungen“

Wenn Pfarrer Dröge an seine Zeit an der Wapel zurückdenkt, dann fallen ihm nach eigenem Bekunden „viele positive Begegnungen“ mit den Menschen vor Ort ein. Prägend und mit Tiefgang seien nicht zuletzt die Glaubenswochen gewesen, die lange Zeit zum festen Bestandteil des Gemeindelebens gehörten. Sicher habe es auch Schwierigkeiten gegeben, das gehöre nun einmal dazu. Aber: „Die guten Dinge bleiben einem besser in Erinnerung als die nicht so schönen.“

Als er 1988 nach mehreren Stationen als Vikar Pfarrer in Neuenkirchen wurde, fiel es dem Gottesmann anfangs gar nicht so leicht, sich in die neue Rolle einzufinden. „Das brauchte eine gewisse Zeit. Schließlich trägt man als Pfarrer die letzte Verantwortung.“ Und diese habe er – sowohl für die Gemeinde als Ganzes als auch für jeden Einzelnen – stets ernst genommen. Dass er im Kirchenvorstand und im Pfarrgemeinderat Menschen gehabt habe, „auf die ich mich hundertprozentig verlassen konnte“, bezeichnet Dröge rückblickend als Glücksfall. „Man ist als Pfarrer auf Ehrenamtliche angewiesen, die mittun und ihr Wissen einbringen.“

„Die Kirche wird nicht untergehen“

Die aktuelle Situation der katholischen Kirche stimmt ihn zwar nachdenklich, aber nicht hoffnungslos, betont Pfarrer Augustinus Dröge. „Das Wort Jesu steht: Die Kirche wird nicht untergehen“, sagt der Seelsorger, der am Wochenende seinen Ruhestand antritt, voller Überzeugung. „Ich glaube fest daran, dass der Geist Gottes die Kirche auch in dieser schwierigen Zeit führt.“ Richtig sei aber auch, „dass wir den Tiefpunkt in der Kirche noch nicht erreicht haben“, betont Dröge und meint damit vor allem die bundesweit nach wie vor hohen Austrittszahlen. Trotzdem gebe es Hoffnung – im Kleinen wie im Großen.

Kann die Kirche in heutiger Zeit noch Antworten auf brennende gesellschaftliche Fragestellungen geben? „Sie kann und tut es auch“, gibt sich Dröge zuversichtlich. „Aber andersherum muss man fragen: Werden diese Antworten auch angenommen, vor allem, wenn sie unbequem sind oder mit Verzicht verbunden sind?“

Festhalten am Zölibat

Apropos Verzicht: Macht es in Zeiten des Personalmangels noch Sinn, eisern an der Ehelosigkeit für Priester festzuhalten? Pfarrer Dröge hat dazu eine klare Meinung: „Ich denke nicht, dass die Abschaffung des Zölibats dazu führen würde, dass es wieder mehr Priester gibt.“ Das zeige das Beispiel der evangelischen Kirche, in der den Geistlichen die Heirat erlaubt ist, es aber dennoch am seelsorgerischen Nachwuchs fehle. „Als Priester soll man seine Zeit ganz Gott und der Gemeinde widmen. Wenn man eine Familie hätte, stünde naturgemäß diese an erster Stelle.“

Zwischen Beruf und Berufung

Beruf oder Berufung – für Augustinus Dröge ist die Lebensaufgabe, für die er sich als junger Mann ganz bewusst entschieden habe, vor allem Letzteres. „Gott muss einen rufen“, sagt der 70-Jährige. Er habe diesen Ruf seinerzeit gehört und sei ihm gefolgt, manchmal zögernd, aber zuletzt aus innerer Überzeugung.

Für den Ruhestand wünscht sich Pfarrer Dröge vor allem Zeit. „Ich werde es genießen, terminlich ungebundener zu sein, als dies als Leiter des Pastoralverbunds Kirchspiel Neuenkirchen möglich war“, sagt er. Weite Reisen unternehmen wolle er als Pensionär indes weniger: „Ich mag kein Kofferpacken mehr und fliegen tue ich nur, wenn es unbedingt seien muss.“ Stattdessen wisse er kleinere Ausflüge zu schätzen, denn: „Ich bin gerne mit meinem Auto unterwegs.“

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