Piloten bangen um ihre Tankstelle
Problemlos tanken war gestern: Weil die Sicherheitszone am Flughafen Paderborn-Lippstadt geändert und mit einem Zaun begrenzt wurde, liegt die Tankstelle des Luftsportvereins Rietberg plötzlich in einem Bereich, der nur nach Kontrollen betreten werden darf.

Eine eigene Tankstelle (Kosten: 35.000 Euro) wurde notwendig. Zurzeit verhandelt der Verein, der auf 500 Mitglieder angewachsen ist, mit der Flughafengesellschaft über eine Ausweitung des Nichtsicherheitsbereichs. „Die schlechte Alternative wäre für uns, dass wir eine eigene Werft für 350.000 Euro an neuer Stelle bauen müssten“, sagte Vorsitzender Roland Dammann der „Glocke“. Die Flughafen-AG habe Neuerungen eingeführt, die im Rahmen von EU-Vorschriften in Sachen Sicherheit zwar unerlässlich seien, aber den Luftsportverein empfindlich träfen, betonten Dammann und Geschäftsführer Dietmar Gieffers.

Umrüstung gestaltet sich schwierig

Dazu zähle, dass die bisherige, von den Sportfliegern genutzte „Billig“-Tankstelle (Mogas), die infolge der Errichtung eines Sicherheitszauns seit September im Kontrollbereich des Flughafens liege, umgerüstet werden müsste. Pikanterweise ist die Umrüstung einer solchen Tankstelle von Mogas- auf Avgasbetrieb aber nicht möglich. Daher muss jetzt die Flughafen-AG die vorhandene betriebsbereite Mogas-Tankstelle, die plötzlich innerhalb des Sicherheitsbereichs liegt, mit allen Einrichtungen abreißen. Wäre der Sicherheitszaun nur wenige Meter weiter errichtet worden, hätten die Sportflieger des LSVR, des Luftsportvereins Geseke und der benachbarten Flugschule von Michael Groß unbehelligt von allen Sicherheitsbestimmungen davon profitiert.

Tanken für 75 Cent

Um den 75 Cent billigeren Kraftstoff für die eigene Flotte des Vereins (14 Flugzeuge) weiterhin beziehen zu können, müssten LSVR-Mitglieder künftig am weiter entfernten Flugplatz Haxterberg tanken. „Wir haben uns aber für eine eigene Anlage in der Reichweite unseres Hangars entschieden, das ist vorteilhafter und langfristig preiswerter“, betonte Dammann. Im Januar soll eine von der Firma Tank-Technik Meiwes (TTM) Rheda-Wiedenbrück gelieferte Zapfanlage vom TÜV freigegeben werden.

Eigenes Kontrollsystem in Planung

Der Sicherheitszaun hat auch einen Vorteil: Der Nichtsicherheitsbereich des LSVR ist nun für Interessenten frei zugänglich. Zugangskontrollen zum Hangarbereich sollen entfallen. Der LSVR will durch ein eigenes Kontrollsystem die Zugangsberechtigung für sein Gelände garantieren.

Seit 27 Jahren Mieter

Seit 27 Jahren ist der Luftsportverein Rietberg auf dem Gelände des Regionalflughafens Paderborn-Lippstadt in Ahden ansässig. Hier hat der LSVR (14 Flugzeuge) Hangar, Clubgebäude und Werft. Daneben befindet sich die Verkehrsfliegerschule des LSVR-Mitglieds Michael Groß. Dritter Mieter ist der Luftsportverein Geseke mit drei Flugzeugen im eigenen Hangar.

„2012 wird ein Jahr der Herausforderungen“

„2012 wird für uns alle das Jahr der Herausforderungen“, prophezeiht Roland Dammann, LSVR-Vorsitzender. Die drei Mieter verstehen sich nicht nur gut, sie sitzen auch in einem Boot, was die neuen Regelungen der Flughafengesellschaft und ihres neuen Managements angeht.

Flughafen-Manager nicht zu Gesprächen bereit

Nach dem Ausscheiden des früheren Flughafenchefs Fritz Henze wurden mit der neuen Führung der frühere Gedankenaustausch nicht fortgesetzt. „Wir hätten uns gewünscht, dass das neue Management mit uns den Direktkontakt aufnimmt“, sagt LSVR-Geschäftsführer Dietmar Gieffers. „Wir hören immer nur von Kosten und roten Zahlen der Gesellschaft.“ Letztere schlagen seit 2009 zu Buche. In der Jahreshauptversammlung diskutierten die Mitglieder die jüngste Entwicklung der Sicherheitsvorschriften. So können Flugzeuge des LSVR nicht mehr vom Hangar direkt zum Start rollen. Sie müssen das Tor im neuen Sicherheitszaun passieren, welches nur nach Aufforderung vom Security-Flughafenpersonal geöffnet werde.

Niedrige Charterpreise

Die Mitglieder begrüßten die Vorteile einer eigenen Tankstelle. So können die Charterpreise niedrig gehalten werden. Die Attraktivität des Luftsportvereins für Vereinspiloten von Aachen bis Berlin und von Hamburg bis Frankfurt zeige sich darin, dass der LSVR im Gegensatz zu anderen Sportfliegervereinen ein „stetiges Wachstum zu verzeichnen hat“, betonte Dammann.

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