Privatinvestor baut Flüchtlingswohnheim
Bild: Sudbrock
Besitzverhältnisse: Eigentümerin des neuen Komplexes am Rand des JVA-Geländes ist die Stadt Rietberg nicht. Sie hat die Immobilie, die in nicht einmal sieben Monaten hochgezogen worden ist, nur gemietet.
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„Die hohen Zuweisungszahlen durch den Bund stellen uns vor enorme Herausforderungen“, sagt Bürgermeister Andreas Sunder. Ständig sei die Emsstadt bemüht, zusätzliche Gebäude als Wohnraum für Asylbewerber anzumieten. Am Dienstag konnte ein neu errichtetes Übergangswohnheim an der Bahnhofstraße in Betrieb genommen werden. Auf 220 Quadratmetern Gesamtfläche steht Wohnraum für 20 Kinder und Erwachsene zur Verfügung.

Stadt ist nur Mieterin

Die Stadt hat die Immobilie auf dem Gelände der Außenstelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Senne für zunächst 15 Jahre gemietet. Errichtet wurde das Backsteinhaus am Rand des Bahnradwegs in nicht einmal sieben Monaten von der Wohnheim-Bahnhofstraße-Rietberg-GmbH. Die Gesellschaft, die bis vor etwa zehn Jahren noch als eingetragener Verein firmierte, ist Eigentümerin der JVA-Außenstelle Rietberg, die langfristig an die Justizvollzugsanstalt Senne verpachtet worden ist. Der Standort gegenüber dem früheren Rietberger Bahnhof zählt zurzeit 70 Insassen im offenen Vollzug.

An der Stelle, wo seit Ende Oktober der Neubau entstanden ist, stand bislang ein Gebäude gleicher Größe, das ebenfalls von der Stadt als Flüchtlingsunterkunft gemietet worden war. Fast 350.000 Euro hat die Wohnheim-GmbH nach Angaben von Bernhard Förster in das Projekt investiert. Der Druffeler ist ebenso wie Bernhard Determeyer (Westerwiehe) und Ulrich Beckhoff (Neuenkirchen) geschäftsführender Gesellschafter der GmbH. Architektin Beate Prante-Frerich hat den Neubau geplant. Für die Einrichtung der zehn Zimmer, die jeweils Wohn- und Schlafraum für zwei Personen bieten, zeichnete die Stadt verantwortlich.

Zuhause auf Zeit

Sunder lobte bei der Vorstellung des Neubaus am Dienstagvormittag die barrierefreie Ausführung der Unterkunft. „Hier können problemlos auch Asylsuchende eine Heimat auf Zeit finden, die auf den Rollstuhl oder auf Gehhilfen angewiesen sind“, sagte der Bürgermeister. Die zwischen zwölf und 13 Quadratmeter großen Zimmer seien für Paare und Einzelpersonen gedacht, könnten zum Teil aber auch von Familien genutzt werden, erklärte Sunder. Durch Verbindungstüren könnten einige Räume bei Bedarf zu größeren Einheiten umgewandelt werden.

Dezentrale Struktur erhöht die Akzeptanz

Mit der Anmietung des Neubaus unweit des Bahnradwegs setzt die Stadt Rietberg ihre dezentrale Unterkunftsstrategie fort. „Aktuell verfügen wir über zwölf Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen“, erklärte Bürgermeister Andreas Sunder. Diese seien nahezu im gesamten Stadtgebiet verstreut. Durch die sich daraus ergebenden kleineren Einheiten steige die Akzeptanz in der Bevölkerung. Größere Probleme mit Nachbarn von Asylbewerberheimen gebe es nicht, sagte Sunder.

Auch wenn an der Bahnhofstraße durch den Neubau Wohnraum für 20 Flüchtlinge entstanden ist, ist die Stadtverwaltung nach Auskunft von Sunder weiterhin auf der Suche nach Gebäuden, die als Unterkünfte angemietet werden können. „Wir sind froh, dass wir zurzeit noch auf das Aufstellen von Wohncontainern verzichten können“, betont der Bürgermeister. Andernorts sei dies aus Kapazitätsgründen bereits Gang und Gäbe.

193 Asylbewerber in Rietberg

Seit 2012 ist die Zahl der Flüchtlinge in Rietberg konstant gestiegen – von damals 77 auf jetzt 193 Personen. Für die jüngsten Steigerungsraten sind nach Auskunft der Stadtverwaltung die anhaltenden Unruhen im arabischen Raum sowie die zunehmenden Probleme in Afrika verantwortlich.

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