Rechtsanwalt: Trennung statt Mord
Bild: Eickhoff
Ein 67-jähriger Mann aus Westerwiehe steht in dringendem Verdacht, seine Ehefrau (63) umgebracht zu haben. Das Amtsgericht Bielefeld hat Haftbefehl erlassen. Das Grundstück des Ehepaares ist seit Mittwoch polizeilich abgesperrt.
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Strafverteidiger Dr. Holger Rostek aus Bielefeld sagte der „Glocke“, sein Mandant habe ausgesagt, seine 63-jährige Frau habe ihn am 12. Dezember 2012 verlassen. Er solle ihr nicht hinterherspionieren, sie sei mit einem brasilianischen Arzt ins Ausland gegangen. Rostek sieht den Haftbefehl gegen seinen Mandanten „auf wackeligen Füßen“ stehen.

Wie berichtet, sitzt der 67-jähriger Ehemann seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Die Leiche der Frau ist unterdessen offenbar noch nicht gefunden worden. Bei einer Hausdurchsuchung waren Leichenspürhunde zum Einsatz gekommen.Die Mordkommission Bielefeld ermittelt wegen Totschlags gegen den 67-jährigen Mann. Er soll seine vier Jahre jüngere Ehefrau umgebracht haben.

Wie Staatsanwaltschaft und Mordkommission Bielefeld sowie die Gütersloher Kreispolizeibehörde am Sonntagabend in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärten, gilt die 63-jährige Westerwieherin seit Dezember 2012 als vermisst. Das Paar lebte in dem Rietberger Ortsteil in einem Einfamilienhaus.

Erst Ende März über Verschwinden informiert

Erst Ende März war die Polizei vom Verschwinden der Frau in Kenntnis gesetzt worden. Der Sohn der 63-Jährigen hatte Vermisstenanzeige erstattet. Bei den daraufhin eingeleiteten Ermittlungen geriet schnell der Ehemann ins Visier der Polizei.

„Es besteht der dringende Verdacht, dass er seine Frau umgebracht hat“, teilten Mordkommission und Staatsanwaltschaft am Sonntag mit. Mit dem Verweis auf ermittlungstaktische Gründe wurden keine weiteren Einzelheiten bekanntgegeben. Die Behörden kündigten aber an, sich in Kürze mit konkreten Fragen an die Bevölkerung zu wenden.

Für die Aufklärung des Falls ist die Mordkommission unter Federführung des Polizeipräsidiums Bielefeld zuständig. Sie wird bei ihren Ermittlungen von der Kreispolizeibehörde Gütersloh unterstützt.

Nachbarn berichteten der „Glocke“, dass das Wohnhaus des Ehepaars bereits am Mittwoch von der Spurensicherung der Polizei untersucht worden sei. Auch Leichenspürhunde seien dabei zum Einsatz gekommen. Seitdem ist das Grundstück polizeilich abgesperrt. Auch am Donnerstag seien Kriminalbeamte vor Ort gewesen.

Angeblich wegen Lungenkrankheit in Spanien

Dass die 63-Jährige seit Winteranfang nicht mehr gesehen wurde, hat bei den Nachbarn in der Siedlung bereits vor Wochen für Verwunderung gesorgt. Der Ehemann habe auf Nachfragen angegeben, dass seine Frau an einer schweren Lungenkrankheit leide und sie sich deshalb in Spanien in ärztlicher Behandlung befinde – „weil die Luft dort wärmer ist“.

Wenn die Nachbarn nach einer Postadresse oder Handynummer gefragt hätten, um mit der Frau in Kontakt zu treten, sei der Westerwieher stets ausgewichen, sagte ein Anwohner. Ein Gespräch mit der Verschwundenen sei nie zustande gekommen.

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