Rietberger Schützenmärchen mit Happy End
Bild: Grujic
Schweif und Rumpf des hölzernen Gilde-Adlers hat der neue König Stefan Kay fast am Stück erlegt. Um 12.55 Uhr bezwang der zweite Vereinsvorsitzende, der als Unternehmensberater bei der Firma „Cent Consult“ in Paderborn arbeitet, den Raubvogel mit dem 435. Schuss.
Bild: Grujic

Rietberg, ein Schützenmärchen: Um 12.55 Uhr war mit dem 435. Schuss das letzte Kapitel geschrieben worden. Was für Stefan Kay das Happy End bedeutete, kam für den Adler einem Fiasko gleich. Der hatte sich nämlich trotz ernster Blessuren insbesondere im Flügel- und Rumpfbereich – die von den Schützen zuvor geraubten Insignien waren da nur Makulatur – zunächst kämpferisch dem Dauerbeschuss durch den zweiten Gilde-Chef zur Wehr gesetzt. Doch um fünf Minuten vor eins schlug das letzte Stündlein für den stolzen Aar: Er gab sich seinem Schicksal hin und fiel – fast am Stück – zu Boden.

Königsresidenz steht am Fliederweg

Während der Bezwungene ins Gras biss, riss sein Bezwinger die Hände in den Himmel. Stefan Kay hat sich mit seinem Meisterschuss den Traum vom Rietberger Königsthron erfüllt. Der 46-Jährige wird die Gilde gemeinsam mit seiner zwei Jahre älteren Ehefrau Petra, die im wirklichen Leben als Diplom-Ingenieurin arbeitet, regieren. Die Königsresidenz steht am Fliederweg, wo auch die beiden Kinder des neuen Monarchenpaars, Ellen (16) und Kilian (14), zuhause sind.

„Viktorianer“ kam, sah und siegte

„Heute ist bei uns Schützengeschichte geschrieben worden“, brachte Vorsitzender Gerry Reinkemeier das, was sich Minuten zuvor vor den Augen hunderter Schaulustiger auf dem Platz zugetragen hatte, in seiner Ansprache während der Proklamation im Festzelt treffend auf den Punkt. „Im Jahr 2007 haben die Mitglieder des Stammtischs ,Die Viktorianer‘ den Plan gefasst, 2013 den Thron zu erklimmen. Das Ziel haben sie eindrucksvoll erreicht.“

Das Jungschützenkönigspaar.
Stefan Kay, der 1997 mit seiner Familie nach Rietberg gezogen war und zwei Jahre später den Mitgliedsantrag bei der Gilde unterschrieben hatte, gehört zum festen Kern der „Viktorianer“. Der Stammtisch rekrutiert sich aus ehemaligen (Tor-)Schützen des Sportvereins TuS Viktoria.

Treffsichere Insignienschützen

Die Insignien sicherten sich beim Vogelschießen am Montagvormittag Manuela Eusterbrock (Krone), André Potthoff (Zepter) und Sebastian Reinkemeier (Apfel). Der linke Flügel fiel durch Thorsten Meier-Kerber, der rechte durch Kai Wördekemper.

Glanzvoller Hofstaat

Zehn Paare bilden das Throngefolge des neuen Rietberger Regentenpaars Stefan und Petra Kay: Thomas Meier und Lisa Honerlage (Zeremonienmeister), Thomas und Heike Darming, Ralf und Andrea Dobrowecki, Hans Georg und Martina Peitz, Guido und Karin Regenberg, Olaf und Andrea Rodehutskors, Markus und Anette Rübbelke, Arno und Michaela Schnippenkötter, Gert Schöckel und Melanie Schmidt sowie Gerd Temme und Michaela Meier.

Markus Brand regiert den Vereinsnachwuchs

Die Jungschützen werden in den kommenden zwölf Monaten von Markus Brand und Anna-Lena Pietzonka angeführt. Mit dem 608. Schuss machte der 20-jährige Elektriker am Sonntag um 18.37 Uhr alles klar und wählte die gleichaltrige Schülerin zur Mitregentin. Weil das Königsschießen der Jungschützen (fast) kein Ende nehmen wollte, fasste der Vorstand in Absprache mit dem Vereinsnachwuchs noch am Abend den spontanen Beschluss, vom kommenden Jahr an mit stärkerer Munition auf einen größeren Holzvogel zu zielen.

Über die Insignien beim Jungschützenschießen freuten sich Jan Strathoff (Zepter), Florian Lilienbecker (Apfel) und der spätere König Markus Brand (Krone).

Neumann „König der Jungschützenkönige“

Dass im Rahmen des Rietberger Schützenfests seit 40 Jahren ein Jungschützenkönig proklamiert wird, nahmen die Gilde-Grünröcke am Sonntagabend zum Anlass für ein Jubiläumsschießen. An dem sportlichen Wettstreit unter der Vogelstange um den Titel „König der Jungschützenkönige“ konnten sich alle Nachwuchsregenten der vergangenen vier Jahrzehnte beteiligen.

Nach 240 abgefeuerten Gewehrladungen stand Siegfried Neumann, der im Jahr 1992 die Jungschützenkönigswürde errungen hatte, als Sieger fest. Die Insignien dürfen Martin Austermann (Krone), Dirk Feldmann (Zepter) und Markus Kerber (Apfel) ihr Eigen nennen.

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