Rietbergerin muss Anwaltsrechnung zahlen
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Eine Frau aus Rietberg muss zwar eine ihrer Ansicht nach ungerechtfertigte Anwaltsrechnung zahlen, ist laut Gericht aber keine Betrügerin.
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Am Dienstag erzielte die 52-Jährige vor dem Amtsgericht Gütersloh einen Teilerfolg. Letzteren hat sie zwei Juristen zu verdanken, einem milden Richter und einem ebenfalls verständnisvollen jungen Staatsanwalt.

Vorwurf des Betrugs ist vom Tisch

Die Frau muss zwar die Rechnung von 2017 berappen, die dem jüngsten Stand nach infolge zusätzlicher Anwalts-, Zwangsvollstreckungs- und Gerichtsverfahrenskosten auf 436,18 Euro angewachsen ist. Aber sie muss nicht mehr mit der Anklage, eine Betrügerin zu sein, leben. Gegen den Vorwurf hatte die Rietbergerin eine Strafanzeige wegen falscher Verdächtigung in Gang gesetzt. Die endgültige Einstellung des Strafverfahrens hänge nun davon ab, ob sie die Rechnung in Raten bezahlen werde, sagte am Dienstag der Gütersloher Richter.

Die Angeklagte begründete zunächst, warum sie von einem Bielefelder Rechtsanwalt zu einem Gütersloher Juristen wechseln wollte. Als sie dem neuen Rechtsberater in Gütersloh 2017 ihren Fall in wenigen Minuten geschilderte habe, habe er nach „anfänglichem Interesse“ eine Mandatsübernahme abgelehnt.

Jurist kann sich nicht erinnern

Den Grund dafür sah die Rietbergerin darin, dass sie erklärt habe, sie könne den Anwalt wegen ihrer finanziellen Not erst später bezahlen. Darauf habe sich der Jurist, der am Dienstag als Zeuge vernommen wurde, aber nicht eingelassen. Der Zeuge wollte oder konnte sich an Details der 2017 geführten Kurzunterhaltung nicht mehr erinnern. Er wies darauf hin, in seiner Kanzlei sei es „prinzipiell“ Usus, vor Beratungsbeginn auch über Kosten zu reden.

Dies bestritt die Angeklagte vehement. Der Anwalt habe ihr auch nicht den Tipp gegeben, einen Beratungshilfeschein zu beantragen, der einkommensschwachen Personen zusteht. Er habe sie nur abkassiert.

Mit blauem Auge davongekommen

Der Richter konnte mit der Aussage des zögerlich wirkenden Zeugen nichts anfangen. Andererseits wies er die 52-Jährige darauf hin, sie hätte als erstes dem Anwalt sagen müssen, dass sie ihn zunächst nicht bezahlen könne und danach ihren Fall schildern sollen. Zweitens sei es rechtens, dass bereits bei der „Entgegennahme einer Information“ Anwaltsgebühren fällig würden.

Das Urteil war aus Sicht der Rietbergerin ernüchternd: „Sie kommen mit einem blauen Auge davon“, sagte der Richter. „Aber sie müssen erst die offene Rechnung aus der Welt schaffen.“

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