Rietbergs Untersee wird zu Loch Ness
Bild: von Stockum
Die Fachwerkstatt Drücker stellte vergangene Woche kurzfristig ein Baugerüst zur Verfügung, damit die Kinder weiter an dem Seeungeheuer für den Gartenschaupark arbeiten können.
Bild: von Stockum

Das Wesen aus dem Reich der Märchen und Mythen bereitet derzeit seinen Sprung in die Wirklichkeit vor. Der Rietberger Gartenschaupark bekommt sein eigenes Nessie. Erstmals am 13. Oktober wird es an einigen Tagen regelmäßig aus den Gewässern im Parkteil Mitte an die Oberfläche tauchen, und zwar im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Seeleuchten“, die am 21. Oktober mit dem Piratenfest endet. Schon jetzt steht fest: Das Ungetüm von sechs Metern Länge und mit einem Gewicht von einer Tonne wird allen die Schau stehlen. Die Macher haben nichts dem Zufall überlassen.

Geschichte wird multimedial aufbereitet 

Was als fixe Idee begann, nimmt derzeit konkrete Formen an. In einem Zusammenspiel zwischen dem Veranstaltungsspezialisten Johannes Pradler, Peter Milsch, Geschäftsführer der Gartenschaupark-GmbH, Kulturig-Chef Johannes Wiethoff, und der Kunstwerkstatt von Karin Wolf sowie einigen anderen Akteuren entwickelte man die Figur eines Rietberger Seeungeheuers – inklusive dazugehöriger Geschichte, die derzeit multimedial aufbereitet wird. Dazu zählt unter anderem ein Hörspiel.

Ehe Anfang Oktober das automatisch gesteuerte, pneumatische Ungeheuer per Autokran in den Untersee im Gartenschaupark verfrachtet werden kann, um dort für zunächst acht Tage lang ein einzigartiges Spektakel zu garantieren, muss es ersteinmal fertiggestellt werden. Aktuell sind Kinder und Jugendliche aus der Kunstwerkstatt Wolf damit beschäftigt, die wasserfeste Außenhülle in den Betriebsräumen von Johannes Pradler fertigzustellen. Der Veranstaltungstechniker selbst sowie seine Mitarbeiter zeichnen für die aufwendige Unterkonstruktion verantwortlich, die bei den Rietbergwerken ins Zinkbad getaucht wurde.

Unbedenklich für Mensch, Tier und Wasser

Parallel dazu entwickelte die Gütersloher Kommunikationsdesignerin Barbara Schneider die Legende zum Wassermonster. Sie war es auch, die dem Stadtmaskottchen Rieti eine Familie schenkte. Nun also das Ungeheuer vom Rietsee. „Das ist einzigartig“, weiß Karin Wolf. Allein die Kombination der unterschiedlichen Materialen – alle völlig unbedenklich für Mensch, Tier und See – stoße in der Kunstszene auf großes Interesse.

Einzigartig sind nicht allein die Materialkombination und das Ungeheuer selbst, sondern auch das Zusammenspiel zwischen zahlreichen heimischen Akteuren und der Aufwand, der betrieben wird, um dem Monster eine Legende auf seine funkelnden Augen zu drücken. Davon abgesehen haben die Konstrukteure völlig auf Elektrische und hydraulische Komponenten verzichtet. „Das läuft alles über Druckluft“, sagt Johannes Pradler. Der dazugehörige Kompressor werde „weit weg vom See“ betrieben.

„Grüne Suppe“ macht beständig

Genauso ungiftig sei der spezielle Epoxidharz, den Karin Wolf und ihre jungen Mitstreiter im Alter zwischen sieben und 17 Jahren verwenden, von denen im Übrigen der Entwurf für das Ungeheuer vom Rietsee stammt, heißt es. In mehreren Schichten wird „die grüne Suppe“, wie die Künstlerin sie nennt, auf den Koloss aufgetragen, dessen Hals und Schwanz derzeit noch von der Decke einer Industriehalle baumeln.

In wenigen Tagen möchte Pradler damit beginnen, die Unterkonstruktion zusammenzusetzen und sie mit Gewichten zu beschweren, die die Haut des Monstrums simulieren. Laufe alles reibungslos, könne das Seeungeheuer vom Rietsee danach in seinen Körper schlüpfen und versenkt werden. Nach dem 21. Oktober werde es dann zunächst eingelagert, ehe das Tier danach für verschiedene Veranstaltungsformate wieder Quartier im Wasser beziehen darf, kündigt Peter Milsch an.

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