Robert D. zu lebenslänglich verurteilt
Bild: Eickhoff
Die Erste Strafkammer des Landgerichts Bielefeld hat nun auch Robert D. verurteilt. Als Haupttäter im 2015 verübten Raubmord an dem Westerwieher Heinrich S. hat er eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes, besonders schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung erhalten.
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Robert D., 48 Jahre alt, ist einer der Haupttäter im 2015 verübten Raubmord an dem Westerwieher Heinrich S. Als zweite Instanz hatte die Kammer bereits am 20. Mai für seinen Komplizen Artur T. eine neue, deutlich mildere Strafe ausgesprochen: Sechs Jahre und neun Monate Gefängnis gab es für den 52-Jährigen, der im ersten Prozess – ebenso wie D. – zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden war.

Deutlich mildere Strafe für Artur T.

Außerdem ist T. nun auf freien Fuß gesetzt worden, da er eine feste Wohnadresse in Gütersloh nachweisen kann und eine Fluchtgefahr ausgeschlossen wird. Zur Neubeurteilung seiner Rolle war es gekommen, weil Artur T. gestanden hatte, nur als Fahrer unterwegs, nicht aber in den Mord verwickelt gewesen zu sein („Die Glocke“ berichtete). Die nun milde Strafe verbuchen seine Anwälte Matthias Doehring und Björn Nordmann als juristischen Erfolg.

In den vier Plädoyers, die die Staatsanwalt, die Nebenklägerin sowie die zwei Verteidiger von Robert D. am Nachmittag hielten, offenbarten sich verhärtete Fronten, und zwar hinsichtlich dessen, dass in vielen Details unterschiedliche Sichtweisen – auch zur Anzahl der potenziell Beteiligten am Morddrama auf dem Westerwieher Anwesen am 3. November 2015 – der Kammer vorgetragen worden seien. Oberstaatsanwalt Udo Vennewald und Rechtsanwältin Gabriele Martens, die das überlebende Opfer Werner S. vertritt, beantragten für Robert D. lebenslänglich wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes, Tatmotiv: Habgier.

Heinrich S. wurde erwürgt – doch von wem?

Die Rechtsanwälte Martin Rother und Timo Scharmann sahen nur eine Verurteilung ihres Mandanten wegen schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung. Einig waren sich Anklage und Verteidigung, dass Heinrich S. erwürgt wurde – doch von wem? Rother sprach von einer „Exzesshandlung“, die Robert D. nicht zuzurechnen sei. Dieser habe schließlich keine DNA-Spuren an dem Opfer hinterlassen, wohl aber Spuren an dem von ihm brutal misshandelten Werner S. Robert D. sagte in seinem Schlusswort: „Ich habe das nie getan! Ich wollte nicht, dass jemand zu Tode kommt.“

Merkwürdigkeiten in der Beweisführung

Mehr als drei Jahre hat sich die prozessuale Beurteilung des Falls in die Länge gezogen. Die Urteile in erster Instanz hatte der Bundesgerichtshof im Revisionsverfahren abgelehnt. Ende 2017 wurden sie gekippt aufgrund fehlerhafter Gesetzesanwendung und Beweisführung. Danach war eine „zweite Runde“ fällig. Eineinviertel Jahre beschäftigte sich die Erste Strafkammer in neuer Besetzung mit dem Fall – ein Prozess mit Ecken und Kanten. Unter anderem gab es im Rahmen der Beweisaufnahme Merkwürdigkeiten. Die in erster Instanz von ihren Anwälten zum Schweigen verdonnerten Angeklagten, die beide zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden waren, ließen im zweiten Prozess bislang nicht bekannte Infos verlauten.

Von bis zu fünf Beteiligten war die Rede

Da war plötzlich von bis zu fünf Beteiligten an dem Raubmord die Rede. Zwei andere Komplizen wurden, auf Druck der Verteidigung hin, ermittelt: der, inzwischen in seinem Heimatland Polen wegen weiterer Verbrechen eine Gefängnisstrafe absitzende L., den die Bielefelder Staatsanwaltschaft gesondert verfolgt, sowie ein gewisser „Sexmister“ , der 2016 verstorben ist. Ein möglicher dritter Beteiligter, der als Russe „Victor“ beschrieben wurde, soll an der Tat entscheidend mitgewirkt haben.

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