Schicksal der Kastanie ist besiegelt
Bild: Vredenburg
Vier Zettel, aber nur eine Stimme: Die Neuenkirchener scheinen sich mit der anstehenden Fällung der geschichtsträchtigen Kastanie abgefunden zu haben.
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 Auf Nachfrage der „Glocke“ erklärte die Verwaltung, es habe sich nur ein Bürger für den Erhalt der Kastanie eingesetzt. Bevor aber die Baumfäller mit ihren scharfen Sägen anrücken, soll im Vorfeld noch eine Artenschutzprüfung vorgenommen werden. „Da sind aber wohl keine Probleme zu erwarten, denn eine Prüfung im Vorjahr hat bereits gezeigt, dass keine schützenswerten Tiere in dem Baum leben“, erklärt Bürgermeister Andreas Sunder.

„Bei der alten Kastanie handelt es sich zweifelsohne um einen geschichtsträchtigen Baum, mit dem viele Neuenkirchener Emotionen und Erinnerungen verbinden“, weiß Andreas Sunder. Im Zug der Planungen des sogenannten Kartoffelkreisels (Baubeginn ist voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte) habe die Verwaltung extra einen externen Gutachter eingeschaltet, der überprüft habe, ob der Baum den massiven Eingriffen ins Erdreich standhalten könne. Der Gutachter sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kastanie nicht zu erhalten sei, weil die Baumaßnahme den Baum so stark beanspruchen würde, dass dieser in den kommenden Jahren ohnehin gefällt werden müsse.

Um dort auch in Zukunft die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, habe der Gutachter empfohlen, die Kastanie bereits im Zug der Baumaßnahme des Kreisverkehrs zu beseitigen, „bevor er eventuell in naher Zukunft umstürzt und Schaden anrichtet“. Der Bau-, Planungs- und Verkehrsausschuss habe laut Andreas Sunder daraufhin im April 2014 das Fällen der Kastanie beschlossen und sich zudem mit großer Mehrheit für die von dem Neuenkirchener Landschaftsarchitekten Matthias Wolf geplante Grünflächengestaltung ausgesprochen, die sich an der Historie des Platzes orientiert und das Thema der alten Post aufgreifen solle.

Diese Planung, die auch Sitzgelegenheiten beinhalte, sei auch weiterhin aktuell. Der Platz vor dem Rewe-Markt werde durch eine Verschwenkung der Fahrbahn etwas größer. „Die Gestaltung dieser Fläche hat die Stadt Rietberg ebenfalls zur Förderung angemeldet“, sagt Andreas Sunder.

Winterlinden als neuer Hingucker

Am Platz vor dem Rewe-Markt sollen sechs Winterlinden in die Erde gesetzt werden. Mit gelb gehaltenen Anpflanzungen und einer Postrad-Skulptur in der Mitte, soll die Gestaltung des länglichen Kreisels den geschichtlichen Hintergrund dieses früher wichtigen Knotenpunkts aufgreifen.

Schon im 17. Jahrhundert kreuzten sich an der Detmolder Straße/Lange Straße/Platzstraße die Wege der reitenden und fahrenden Post von Münster nach Kassel und von Bielefeld nach Lippstadt. Bis 1925 stand hier ein Kaiserliches Postamt mit einem Telegraphen-Apparat und einer zentralen Telefonverbindung für ganz Rietberg.

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