Schüler dürfen bald länger schlafen
Um 30 Minuten verschieben wollen Schulen und Verwaltung den Unterrichtsbeginn in Rietbergs Schulzentrum. Die größte Herausforderung ist dabei die Umstrukturierung des Busverkehrs.

Dort ertönt die Glocke zum Unterrichtsbeginn bereits um 7.30 Uhr. Allerdings wohl nicht mehr lange: Ab Sommer 2019 soll der Nachwuchs morgens eine halbe Stunde länger schlafen dürfen. Die Idee geistert bereits seit einigen Jahren durch die örtliche Bildungslandschaft. Und so laufen schon seit längerem in sämtlichen Gremien der Lehranstalten im Rietberger Schulzentrum Gespräche zur Verschiebung des Unterrichtsbeginns. Hinreichend seien dort Vor- und Nachteile eines solchen Schritts erörtert und abgewogen worden, hieß es gestern Abend bei einer Sitzung des zuständigen Fachausschusses im Alten Progymnasium. Das Ergebnis fiel einstimmig aus: Aus Klassen- und Lehrerzimmern ertönt ein deutliches Ja zum ersten Gongschlag eines jeden Schultags um 8 Uhr. Auch die Verwaltung unterstützt das Vorhaben.

Für Außenstehende sind es nur 30 Minuten, für die Verantwortlichen eine große organisatorische Herausforderung. Denn allein mit der Zeitumstellung bei den Schulglocken ist es nicht getan. Vielmehr bedarf es einer grundlegend neuen Planung des Busverkehrs, will man die Kinder und Jugendlichen, die darauf angewiesen sind, nicht morgens noch 30 Minuten vor verschlossenen Türen warten lassen. Da die Verträge mit den Unternehmen, die den Öffentlichen Personennah- sowie den Schülerspezialverkehr bedienen, zum Sommer 2019 ohnehin neu verhandelt werden müssen, möchte man nun die Gelegenheit beim Schopfe packen. Bis Mitte Mai des kommenden Jahres wird eine verbindliche Aussage benötigt, um ein

Im Zusammenhang mit der angestrebten Verschiebung des Schulbeginns steht auch eine geplante Anpassung des Stundenrasters. Das bisherige Modell stützt sich auf 45-Minuten-Einheiten, unterbrochen von mindestens fünfminütigen Unterbrechungen. Abgelöst werden soll das System durch 90-Minuten-Lernblöcke. Dadurch fielen dreimal fünf Minuten Pause weg, was den Kindern und Jugendlichen zu mehr als 50 Stunden mehr Freizeit im Jahr bei gleicher Unterrichtszeit verhelfen könnte. Von Vorteil soll der Systemwechsel auch für die Pädagogen sein. „Die Doppelstunden bringen deutlich mehr Ruhe in die Tage und ermöglichen weitere Vertiefungs- und Übungsphasen im Unterricht“, heißt es in einer Stellungnahme der Bildungsstätten.
e ordnungsgemäße Vergabe vornehmen zu können.

Eine Verschiebung des Unterrichtsbeginns sowie die Neuordnung des Bussystems gibt es für die Stadt nicht zum Nulltarif. Während dieser Schritt beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) keine direkte Preiserhöhung verursachen dürfte, könnten sich die Preise für einige Linien im Rahmen des Spezialverkehrs – der betrifft Kinder und Jugendliche aus Druffel und Westerwiehe – sogar verdoppeln. Die Verwaltung spricht von etwaigen Mehrkosten in Höhe von 50 000 Euro. Hintergrund ist, dass eine Kombination mit anderen Buslinien nur noch schwer möglich ist, da auch die anderen Bildungseinrichtungen im Stadtgebiet um 8 Uhr beginnen beziehungsweise sich außerdem die erforderlichen nachmittäglichen Rückfahrtzeiten teilweise annähern würden. Aber selbst bei einer Verdoppelung der Kosten beim Spezialverkehr wäre dieser nach heutigem Stand immer noch günstiger als eine Einbin-dung des ÖPNV.

Die Vorteile der geplanten Rietberger Zeitumstellung liegen für Matthias Stolper, Rektor des Gymnasiums Nepomucenum (GNR), und Frank Wedekind, Leiter der Richard-von-Weizsäcker-Gesamtschule, auf der Hand. Zunächst einmal hielten sich die Schüler länger in den „optimalen Bereichen ihrer persönlichen biorhythmischen Leistungskurve“ auf, sprich: Die Aufnahmefähigkeit wird gesteigert. Zudem ließe sich insbesondere dem Mastholter Nachwuchs eine zeitlich adäquate Alternative zum Besuch von Schulen in Langenberg und Lippstadt bieten. Auch der Sicherheitsaspekt insbesondere für Radfahrer sei nicht zu vernachlässigen. Der spätere Unterrichtsbeginn erhöhe die Anzahl der Tage, an denen Kinder den Schulweg im Hellen antreten können.

Zuletzt führen die Schulleiter organisatorische Argumente für eine Zeitverschiebung ins Feld. Vielen Teilzeitkräften – die meisten sind Frauen, viele von ihnen haben Kinder – sei es kaum bis überhaupt nicht möglich, ihre Familien und einen Unterrichtsbeginn um 7.30 Uhr unter einen Hut zu bringen. Gleiches gelte für die Nachmittage. „Dies wird zwangsläufig zu einer extremen Belastung der Vollzeitkräfte führen“, schreiben Matthias Stolper und Frank Wedekind in einer gemeinsam verfassten Erläuterung an die Stadtverwaltung.

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