Schüler fordern freien Internetzugang
Jede Menge Arbeit: Teresa Hartmann und Femke Brüning (v.l.) sortieren die zahlreichen Vorschläge, die während der Aktion von Jungen und Mädchen des Gymnasiums abgegeben wurden.

Zum ersten Mal in Deutschland dürfen Schüler in der Emsstadt selbst über die Verwendung eines Budgets von jeweils 7000 Euro bestimmen. Inzwischen sind Koordinationsgruppen an allen vier Schulen damit beschäftigt, die eingereichten Vorschläge zu erfassen, zu bündeln und in einem eigens eingerichteten und für alle Schüler zugänglichen Internetportal zu veröffentlichen. „Am Ende soll sich jeder Schüler mit seinem Vorschlag wiederfinden, das ist eine wichtige Komponente“, erklärte Alexander Koop von der Bertelsmann-Stiftung. Die Plattform biete einen Austausch zwischen Schülern und Verwaltung, „die gleich kommentieren kann, ob bestimmte Wünsche überhaupt realisierbar sind oder ob die eine oder andere Idee städtischerseits ohnehin geplant ist“.

Überschneidung mit städtischen Pflichtaufgaben

Der Wunsch nach Etagentoiletten sowie einer Verbesserung der veralteten Sanitäranlagen – auffallend häufig von den Schülern des Gymnasiums genannt – überschneidet sich etwa mit Maßnahmen, die im Zuge des bevorstehenden Umbaus des Schulzentrums ohnehin geplant sind „und prinzipiell auch Pflichtaufgaben des Schulträgers sind“, so Schulleiter Peter Esser.

Unterschriftenliste vorgelegt

Beim Sichten der zahlreichen Vorschläge stieß die 15-köpfige Koordinationsgruppe des Gymnasiums auf einen weiteren „Superhit“, der die Wunschliste schließlich deutlich anführte, nämlich freier Internetzugang für alle Schüler, jederzeit. Laura Balke konnte hierzu eine beeindruckende Unterschriftenliste vorweisen. Vor dem Hintergrund einer geltenden Handynutzungsordnung reagierte der betreuende Lehrer Jörg Buttgereit skeptisch: „Ihr solltet die rechtlichen Gegebenheiten abklären, bevor der Vorschlag ins Internet gestellt wird.“ Die Schüler Darius Doppmeier und Lars Nittka erledigten dies auf kurzem Wege und befragten direkt die Schulleitung. Ergebnis: Dieser Wunsch wird sich wohl nicht realisieren lassen. Immerhin, so Buttgereit, verfügen viele Klassen bereits über einen WLAN-Zugang mit Kenn- und Passwort.

Auch an der Martinschule war eine Gratis-WLAN für schnelles und mobiles Internet der am häufigsten genannte Wunsch, gefolgt von einem Getränkeautomaten, Spinden mit Schlössern, einer Chill-Ecke und der Anschaffung von Boxsäcken.

Kontrollen müssen sein

Jonas Glennemeier (16), Gestalter des hauseigenen Werbeplakats der Martinschule Rietberg-Verl, freut sich, dass das Projekt Schülerhaushalt auch an seiner Bildungseinrichtung so gut angenommen wird: „Schon nach einer Stunde lagen die ersten Vorschläge auf dem Tisch.“ Was die gewünschte Gratis-WLAN-Verbindung anbelangt, reagierte aber auch Lehrer Helmut Kahleis zurückhaltend: „Ganz ohne Kontrollen wird es wohl nicht gehen. Wir diskutieren das jetzt mit den Schülern.“

Alexander Koop freute sich über das Interesse der Jugendlichen: „Ich bin begeistert, wie Schüler und Lehrer das Projekt Schülerhaushalt in die Hand nehmen und wie engagiert der Austausch miteinander ist.“

Umsetzung beginnt Anfang 2013

Am Dienstag, 20. November, stimmen die Schüler aller vier Schulen über die eingereichten Vorschläge ab. Die jeweils fünf am häufigsten genannten Wünsche werden der Verwaltung zur Umsetzung vorgelegt. Der Rat entscheidet. Realisiert werden sollen die von den Schülern gewünschten Maßnahmen Anfang 2013.

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