Schützenfeste hängen in der Schwebe
Foto: Sudbrock
Lange ist es her, dass im Rietberger Land und anderswo so unbeschwert Schützenfest gefeiert werden konnte wie auf diesem Archivbild, das Pfingsten 2019 auf dem Festplatz der St.-Johannes-Bruderschaft in Druffel entstand.
Foto: Sudbrock

Was die nächste Freiluftsaison der Schützenvereine betrifft, hat Mario Kleinemeier die Hoffnung noch nicht begraben. Aber eine verbindliche Aussage, ob in diesem Jahr wieder gefeiert wird und in welchem Rahmen, kann er zum jetzigen Zeitpunkt nicht treffen. „Das weiß aktuell niemand.“ 

Ansteckungsrate muss deutlich sinken

Kurz nach Weihnachten sind bundesweit die Corona-Schutzimpfungen gestartet. Eine Tatsache, die den 45-Jährigen trotz hoher Inzidenzwerte zumindest vorsichtig optimistisch stimmt. „Wir müssen abwarten, wie die flächendeckenden Impfungen vorankommen und wie schnell sie den gewünschten Effekt erzielen. Die Regierung geht davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssen, um eine Herdenimmunität zu erreichen“, sagt der Diözesanbundesmeister aus Westerwiehe. Klar sei, dass nur bei geringen Neuansteckungsraten an Schützen- und andere Volksfeste zu denken sei, denn: „Die Gesundheit jedes Einzelnen hat absolute Priorität.“ 

„In den kommenden drei Monaten muss eine Entscheidung fallen“, unterstreicht Kleinemeier. Basis dafür müssten die dann vorherrschende Corona-Lage sowie die Vorgaben von Land und Bund sein. „Wenn wir spätestens Ende März Klarheit haben, wäre das für die ersten Schützenfeste, die in unserer Region im Mai stattfinden, noch früh genug“, sagt der oberste Chef von 75.000 im Diözesanverband organisierten Schützen. Beide Wege wären dann noch gangbar: Sowohl die Absage als auch – im besten Fall – die planmäßige Durchführung der Feste.

Kleinemeier hofft auf Klarheit bis Ende März

Ab Anfang April werde es mit Blick auf den Kalender jedoch kritisch, erklärt Kleinemeier. „Die Vereine brauchen ebenso wie die Festwirte, Schausteller, Zeltverleiher und Musikeinheiten Planungssicherheit sowie einen gewissen zeitlichen Vorlauf.“ Aktuell gebe es noch keine Schützenfest-Absagen im Diözesanverband Paderborn für 2021. „Stand heute finden alle Feste statt – aber selbstverständlich nur unter großem Vorbehalt“, sagt Kleinemeier.

Zur Person

Mario Kleinemeier ist Anfang Februar 2020 zum Paderborner Diözesanbundesmeister gewählt worden. Kurz darauf kam die Corona-Pandemie und damit verbunden der erste bundesweite Lockdown. Damit standen nicht nur alle Schützenfeste auf der Streichliste, sondern auch sämtliche verbandsinternen Veranstaltungen. „Vor allem die zwischenmenschlichen Kontakte und die gelebte Gemeinschaft fehlen mir“, sagt Kleinemeier. Damit sei er aber nicht allein. „Dies geht vielen in unserer großen Schützenfamilie genauso.“ Das Wissen darum, dass die erneut verschärften Bestimmungen irgendwann wieder gelockert werden können, lässt Kleinemeier in diesen Tagen den Mut nicht verlieren. Er rät dazu, die mit dem Lockdown verbundene Entschleunigung als Chance zu begreifen. „Ich habe beispielsweise das Laufen für mich entdeckt“, sagt der Familienvater. „Nach etlichen Runden im vorigen Jahr durch die freie Natur wiege ich gefühlt mindestens 35 Portionen Currywurst und Pommes weiß weniger.“ Er wünsche es jedem, das gegenwärtige Mehr an Zeit sinnvoll nutzen zu können. Und trotzdem bleibe es dabei: „Das Schützenwesen mit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten ist das schönste Hobby der Welt.“

Sollten für die kommende Saison weitreichende Einschränkungen nötig werden, wünscht sich der Diözesanbundesmeister ein ähnliches Vorgehen wie 2020. „Damals haben zum Beispiel im Rietberger Land alle sieben Vereine gemeinsam ihre Feste abgesagt.“ Eine Session, in der etwa die später im Jahr terminierten Feste doch gefeiert und die früheren gestrichen werden, gelte es zu vermeiden. „Aber das sehe ich durch die Brille eines Verbandsvertreters. Letztendlich muss jeder Verein für sich entscheiden und je nach Situation abwägen.“

Vereine bislang gut durch Pandemie gekommen

Wie sind die Schützenvereine trotz fehlender Veranstaltungen bislang durch die Pandemie gekommen? „Erstaunlich gut“, resümiert Mario Kleinemeier. Der Zusammenhalt sei enorm, was nicht zuletzt die Aktion „Flagge zeigen zu Ostern“ im vergangenen Jahr gezeigt habe.„Jedem Verein sollte es ein Anliegen sein, auch während der Pandemie an der einen oder anderen Stelle auf sich aufmerksam zu machen.“ Es gelte, gestärkt aus der Krise zu kommen.

Trotzdem bleibe die Corona-Pandemie nicht ohne Auswirkungen. „Den einen oder anderen Ehrenamtler wird man, wenn es wieder losgehen kann, erst wachrütteln müssen“, sagt Kleinemeier. Trotzdem sei die Reaktivierung langjähriger Aktivposten wichtig. Um die Mitglieder bei der Stange zu halten, sei Kreativität gefragt. „Es ist wichtig, dass das Leben in den 157 Schützenvereinen der Diözese Paderborn trotz Corona nicht gänzlich zum Erliegen kommt“, erläutert der Diözesanbundesmeister. „Wir dürfen uns nicht in einer Höhle verstecken und erst im Sommer wieder herauskriechen.“

Krise treibt Digitalisierung voran

Zumindest mit Videokonferenzen könne auch in schwierigen Zeiten der Kontakt aufrechterhalten werden. Dabei lassen sich laut Kleinemeier nicht nur Vorstandssitzungen digital realisieren. „Warum trifft sich nicht beispielsweise auch mal eine Schießgruppe oder Kompanie online, einfach so zum Quatschen?“, nennt Kleinemeier Möglichkeiten des Miteinanders trotz Lockdowns.

Diözesanbundesmeister Mario Kleinemeier (45) aus Westerwiehe.
Die Digitalisierung des Schützenwesens wird durch die Corona-Krise beschleunigt. „Daraus können wir für die Zukunft lernen“, sagt Kleinemeier. An Vereinsclouds oder Videokonferenzen solle man auch nach der Pandemie festhalten. „Denn sie ermöglichen es Vorständen und anderen Aktivposten, die nicht heimatnah wohnen, sich trotzdem in die Vereinsarbeit einzubringen.“ Sollten es die Zahlen zulassen, könne man in einigen Monaten auch wieder über persönliche Formate nachdenken. „Mitgliederversammlungen lassen sich an lauen Frühlingsabenden doch auch mit Mindestabstand im Freien durchführen“, gibt Mario Kleinemeier einen Denkanstoß.

Beim Feiern künftig umdenken 

Werden wir auch beim Schützenfest-Feiern umdenken müssen, sofern sie 2021 möglich sind? „Bestimmt“, glaubt Kleinemeier. „Es wird strenge Hygienevorschriften geben müssen.“ Eine Vorgabe könne sein, dass Bier wieder aus Gläsern ausgeschenkt werden müsse, weil diese einfacher maschinell zu reinigen seien. Eine Alternative sei auch die Ausgabe von Glasflaschen. „Aber Feiern auf Abstand, mit Maske oder negativem Corona-Test – das alles kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, sagt der Diözesanbundesmeister.

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