Sparkasse spart am Namensrecht
Bild: Vredenburg
Annähernd 900 Gäste fasst Rietbergs „Blechbüchse“, die wie ein Shakespeare-Theater aufgebaut ist. Selbst vom ungünstigsten Sitzplatz aus sind es gerade einmal 15 Meter bis zum Bühnenrand. Diese Nähe schafft eine einzigartige Atmosphäre.
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Zu einer Zeit, zu der es für die damalige Sparkasse Rietberg ob der Gesamtsituation in der Branche noch deutlich leichter war, das Gemeinwohl zu fördern, schoss sie Jahr für Jahr unter anderem 100 000 Euro in den Verein Kulturig und kaufte darüber hinaus die Namensrechte an der wichtigsten Spielstätte der Stadt. Nach der Fusion mit Gütersloh reduzierte sich der Betrag, der auch weiterhin als Förderung in Aussicht gestellt wird, auf 80 000 Euro. Die Namensrechte sollten aber dieses Mal bitte in der Summe enthalten sein, meint der Bankvorstand. Noch einmal zusätzlich Geld dafür auf den Tisch zu legen, das kommt der Sparkasse nicht in die Tüte. „Irgendwann muss man zurückfahren“, sagte am Freitag Pressesprecher Matthias Trepper gegenüber der „Glocke“.

Lediglich die Kreditzinsen bezahlt

Damit hatte die Stadt nicht gerechnet. Vielmehr war geplant, durch die Neuvergabe der Namensrechte einen Kredit abzulösen, den Kulturig als Betreiber der Cultura 2011 bei der Sparkasse zur Sanierung des Theaters aufgenommen hatte und mit dem das Inventar runderneuert wurde. Nun also muss die Politik sich nicht nur Gedanken darüber machen, ob man dem Geldinstitut trotz lange nicht gekannter Sparsamkeit dennoch die Namensrechte überträgt, sie muss auch gemeinsam mit Kulturig überlegen, wie die 220 000 Euro zurückgezahlt werden. Der Darlehensvertrag läuft Mitte 2021 aus, also in zweieinhalb Jahren. Und bislang sind lediglich Zinsen bezahlt worden, von Tilgung keine Spur.

Zwei Lösungsvarianten

Zwei Varianten hat die Stadverwaltung ausgearbeitet, die sie in der kommenden Woche der Politik präsentieren wird. Eine denkbare Lösung wäre es, dass die Kommune dem Verein das Inventar im Wert von 90 000 Euro abkauft. Der Verein wiederum könnte mit dem Geld einen Teil seiner Schulden begleichen und für die Restsumme einen neuen Kreditvertrag zu besseren Konditionen, aber vermutlich mit 20 Jahren Laufzeit abschließen. Als zweite Möglichkeit wird vorgeschlagen, dass die Stadt die 130 000 Euro übernimmt und dafür ihren jährlichen Zuschussbetrag an den Verein (29 500 Euro) um 9500 Euro – das ist der Anteil für die bisherigen Darlehenszinsen – reduziert.

Fassungsvermögen von bis zu 856 Besuchern

Das „Sparkassen-Theater an der Ems“ hat bis 2007 als Übergangslösung während der Restaurierung der Rheinoper in Düsseldorf gestanden. Zur Landesgartenschau 2008 kaufte die Stadt das Rundtheater, das dem 1599 an der Themse errichtete Globe-Theatre in London nachempfunden wurde und stellte es in Ems- und Stadtkernnähe auf. Der damalige Bürgermeister André Kuper hatte seinerzeit auch mit Gegenwind zu kämpfen, vor allem von den Schulen. Mit zunächst nicht einkalkulierten Zusatzkosten (440 000 Euro) belief sich die Finanzierung letztlich auf 1,8 Millionen Euro. Durch die Nähe zum historischen Stadtkern bekam die Kommune eine Förderung in Höhe von rund 600 000 Euro. Die Cultura Rietberg hat ein Fassungsvermögen von bis zu 856 Besuchern verteilt auf drei Etagen sowie einen bestuhlten Innenraum auf Bühnenhöhe. Es bietet aufgrund der Rundform einen perfekten Blick für alle Besucher. Die Entfernung zur Bühne beträgt vom ungünstigsten Platz lediglich 15 Meter.

Kredit bringt Verein in Schwierigkeiten

2011 wurde die Cultura renoviert. Dazu nahm Kulturig einen Kredit in Höhe von 220 000 Euro auf, für den die städtische Gartenschaupark-GmbH bürgte. Aufgrund der Maßnahmen musste der Verein Kulturig 2013 Zahlungsunfähigkeit ausweisen. Der Vorstand suchte Hilfe bei der Stadt und beantragte, dass diese die Zinslast (9500 Euro) für das Darlehen in Höhe von 220 000 Euro, das für die Sanierung verwendet worden war, übernehmen möge.

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