Stadt Rietberg nutzt ihr Vorkaufsrecht
Bild: Sudbrock
Beschlossene Sache ist der Erwerb der Gaststätte Blomberg durch die Stadt Rietberg. Das Kommunalparlament gab am Donnerstagabend bei zwei Enthaltungen grünes Licht für die Nutzung des bestehenden Vorkaufsrechts.
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Wenn es um die Zukunft des Hauses an der Rathausstraße geht, soll nichts dem Zufall – beziehungsweise einem Privatinvestor – überlassen werden. Darin waren sich die Politiker während er Sondersitzung des Kommunalparlaments weitgehend einig. Die Stadt will bei der Gaststätte Blomberg ihr Ass namens Vorkaufsrecht ziehen – und die Chancen stehen nach Auskunft von Bürgermeister Andreas Sunder „sehr gut“, dass dieser Plan auch aufgeht. Das Nachsehen hätte dann der Privatinvestor, der die Immobilie Ende Juli von den bisherigen Eigentümern erworben hat. Der bereits geschlossene Kaufvertrag wäre hinfällig.

Besucherfrequenz steigern

Sunder betonte am Donnerstagabend, dass die Ausübung des Vorkaufsrechts an verschiedene Bedingungen geknüpft ist. Wichtig sei, dass die Immobilie einer wie auch immer gearteten öffentlichen Nutzung zugeführt werde, um die Besucherfrequenz im historischen Ortskern zu erhöhen und dadurch eine dauerhafte Attraktivitätssteigerung der Innenstadt zu erreichen. In der Folge werde dies auch zu einer Stärkung des zentralen Nahversorgungsbereichs entlang der Rathausstraße führen, was seit Jahren Zielsetzung der Politik sei.

Sunder warb in der Sitzung nicht nur für den Kauf der Gaststätte, sondern auch für die mittelfristige Verlegung der Stadtbibliothek dorthin. Den Vorstoß begründete er mit der Raumnot im Alten Progymnasium, wo die Bücherei bislang untergebracht ist. Dort bestehe kein Spielraum zur Vergrößerung des Angebots – und das, obwohl die Nachfrage nach Büchern und digitalen Medien stetig steige. Über einen Standortwechsel an die Rathausstraße nachzudenken, sei deshalb die logische Konsequenz. Im Gegenzug stünden dann Stadtarchiv und Standesamt im Progymnasium zusätzliche Flächen zu Verfügung. Zugleich betonte Andreas Sunder, dass die Kaufentscheidung für die Gaststätte Blomberg nicht automatisch mit einem Umzug der Bücherei einhergehe. Darüber sei zu gegebener Zeit separat zu beraten.

Stichwort: Bürgerhaus

Ausgerechnet im Ortsteil Rietberg gibt es das nicht, worüber die meisten anderen Stadtteile verfügen: Ein Bürgerhaus, in dem sich insbesondere Vereine und andere Gruppierungen treffen können. Mit der bevorstehenden Schließung der Gaststätte Blomberg droht jetzt eine der letzten Versammlungsmöglichkeiten in der Altstadt wegzufallen. Dass es soweit nicht kommen muss, unterstrich in der Ratssitzung am Donnerstag Bürgermeister Andreas Sunder. Er betonte, dass die Vereine, die bislang regelmäßig in der Immobilie an der Rathausstraße zusammenkommen, dies dort vorerst auch weiterhin tun können, denn: Die Planungen für den Umbau des Hauses würden längere Zeit in Anspruch nehmen. Die Frage nach einer Treffmöglichkeit für Vereine trieb auch Marco Talarico (CDU) um. Er schlug vor, die Gaststätte Blomberg in eben jenes Bürgerhaus umzuwandeln, das in Rietberg seit Langem fehle. Auch für Beerdigungskaffeetrinken böte sich dort dann der passende Rahmen. Dr. Ute Buchheim (FWG) brachte indes die Schaffung von Vereinsräumen in der Südtorschule ins Gespräch.

Josef Beermann (FWG) wies darauf hin, dass es vergleichsweise selten vorkomme, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht bei anstehenden Eigentümerwechseln zieht. „Ich kann mich in den vergangenen 20 Jahren nur an einen einzigen Fall erinnern.“ Trotzdem sei es richtig, die Chance zum Erwerb der Gaststätte Blomberg nicht verstreichen zu lassen.

Mehr Platz für Trauungen

Gerd Muhle (SPD) sah das ähnlich. Besonders charmant fand er den von der Verwaltung ins Gespräch gebrachten möglichen Umzug der Bibliothek. Die öffentliche Einrichtung könne zu einem wichtigen Frequenzbringer für die Innenstadt werden, sagte Muhle. Auch das Standesamt würde nach Überzeugung des Sozialdemokraten profitieren: Die ehemaligen Büchereiräume im Erdgeschoss des Progymnasiums könnten wie von der Verwaltung vorgeschlagen umgebaut und für Trauungen genutzt werden. Die Nähe zum angrenzenden Skulpturengarten Dr. Koch sei ideal. Muhle: „Wir werden uns vor Anfragen heiratswilliger Paare kaum retten können.“

Umzug der Bibliothek gefällt nicht jedem

Weniger euphorisch gab sich CDU-Fraktionschef Marco Talarico, der ausdrücklich nicht im Namen seiner Parteikollegen Stellung bezog. Er warnte davor, den etablierten Bücherei-Standort an der Klosterstraße/Ecke Emsstraße ohne Not aufzugeben. Talarico verwies darauf, dass im direkten Umfeld Pkw-Stellplätze für die Nutzer vorhanden seien, was rund um die Blomberg-Immobilie nur sehr bedingt der Fall sei. Darüber hinaus dürfe man nicht außer Acht lassen, dass auch Schüler die Bücherei nutzen sollen. Und für die sei der Weg vom Schulzentrum zum Alten Progymnasium wesentlich kürzer als bis zur Rathausstraße.

Das wollte Dr. Ute Buchheim (FWG) nicht gelten lassen. Sie gab zu bedenken, dass Schüler heutzutage vor allem das Internet als Informationsquelle nutzten und zudem das Gymnasium über eine eigene Bibliothek verfüge. Entscheidend sei letztlich die beengte Raumsituation im Alten Progymnasium. Fakt sei, dass sowohl das Stadtarchiv als auch die kommunale Bücherei und das Standesamt aus allen Nähten platzten. „Es macht also Sinn, diese Nutzungen zu entzerren.“

FDP warnt vor neuem Subventionsobjekt

Ein Umzug in die City könne mit der Aufwertung der Bibliothek als Kulturstätte und Treffpunkt verbunden sein, signalisierte auch Hans-Dieter Vormittag (Grüne) Zustimmung zu den Plänen. Kritischer äußerte sich Professor Manfred Niewiarra (FDP). „Beim ersten Durchlesen fühlt es sich gut an“, sagte er mit Blick auf den Verwaltungsvorschlag. „Doch inzwischen habe ich erhebliche Zweifel bekommen.“ Der in den Unterlagen genannte Kaufpreis von 450.000 Euro sei vergleichsweise hoch, hinzu kämen Umbau- und jährliche Unterhaltungskosten. Niewiarra: „Wir binden uns ein weiteres Subventionierungsprojekt ans Bein.“

Heinrich Isenborth (CDU) warf die Frage auf, ob sich die Stadt bei der Ausübung ihres Vorkaufsrechts schon heute auf eine Folgenutzung der Gaststätte festlegen müsse. Die Antwort Sunders, dass eine öffentliche Nutzung zwingend sei, die Entscheidung über die Bücherei aber erst später anstehe, hörte Isenborth gerne.

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