Stadt verzichtet auf eigenes Jugendamt
Seit September 2010 nutzt die Regionalstelle Ost der Abteilung Jugend, Familie und Sozialer Dienst der Gütersloher Kreisverwaltung die früheren Räumlichkeiten des Bürgerbüros an der Rügenstraße. Das soll sich auch in Zukunft nicht ändern.

Die Frage, ob Rietberg dem Beispiel von Verl und Rheda-Wiedenbrück folgend ein eigenes Jugendamt gründen sollte, hatte die Freie Wählergemeinschaft aufgeworfen. Mögliche Einsparpotenziale und Qualitätsverbesserungen durch die Übernahme der Jugendhilfe in Eigenregie gelte es zu prüfen, forderten die Freien.

Die Antwort von Stadtverwaltung sowie Kreisdirektor Christian Jung und Lothar Busche, Leiter der Abteilung Jugend, Familie und Sozialer Dienst im Gütersloher Kreishaus, fiel eindeutig aus: Rietberg gehört seit jeher zu den Nettoempfängern. Die hilfeberechtigten Kinder, Jugendlichen und Familien in der Emsstadt erhalten also mehr Leistungen vom Kreis, als die Kommune als Jugendamtsumlage Jahr für Jahr nach Gütersloh überweist. 2011 musste Rietberg beispielsweise nur 5,3 Millionen Euro an das Kreisjugendamt zahlen, erhielt im Gegenzug aber Leistungen in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Daraus ergibt sich eine Differenz von 2,2 Millionen Euro zugunsten der Emsstadt.

Die Qualität der Hilfsangebote des Kreisjugendamts habe ein hohes Niveau, unterstrichen Jung und Busche. Sie wiesen darauf hin, dass die Regionalstelle Ost als „Niederlassung“ des Kreisjugendamts vor zwei Jahren von Verl nach Rietberg ins Verwaltungsgebäude Rügenstraße 1, dem ehemaligen Bürgerbüro, umgezogen sei und dort auch dauerhaft bleiben werde. Jung: „Wohnortnahe Ansprechpartner sind durch die 19 Mitarbeiter der Regionalstelle garantiert.“

Eindringlich warnte Bürgermeister André Kuper davor, ein eigenes Jugendamt zu gründen. Die Kosten könnten schnell aus dem Ruder laufen, was wiederum „dramatische Steuererhöhungen“ nach sich ziehen werde. Fraglich sei, ob eine Behörde unter städtischer Federführung die ohnehin schon gute Arbeit des Kreisjugendamts toppen könne.

„Wir fahren mit dem Kreisjugendamt sehr gut“, unterstrich auch Engelbert Ottemeier (CDU). Seine Fraktionskollegin Irmgard Bartels und Evelyn Dahlke (FDP) formulierten den Vorschlag, auf den sich die Ausschussmitglieder über Parteigrenzen hinweg verständigen konnten: Mindestens in den nächsten drei Jahren soll über das Thema „eigenes Jugendamt“ nicht mehr diskutiert werden. Ziel ist es, dem Kreis mehr Planungssicherheit zu geben.

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