Standortwechsel sorgt für frischen Wind
Rolle rückwärts: In die Rock 'n' Roll-Ära entführten die „Gardeküken“ am Freitag- und Samstagabend während der Prunksitzungen im Saal der Gaststätte Josef Kreutzheide ihr Publikum.

Der Umzug in die Festhalle von Josef Kreutzheide hat der Kolping-Karnevalssitzung gut getan. Saaldekoration und Bühnenbild sind die äußeren Zeichen dafür, dass ein frischer Wind durch die Narrenreihen weht. Auch das mehr als vierstündige Programm, das die Aktiven am Freitag- und Samstagabend boten, sucht seinesgleichen. So viel und so herzhaft hatten bisher wohl die wenigsten Besucher in der schon weit vorangeschrittenen „fünften Jahreszeit“ gelacht.

„Ährwin“ plündert seine Schultüte

Wortbeiträge mit reichlich Lokalkolorit sind das Salz in der Suppe jeder guten Karnevalssitzung. Das weiß man im „Hühnerdorf“ schon lange. Sieben der 16 Programmpunkte fielen in diese Kategorie. Den Anfang machte als „Ährwin“ Ralf Gnüchwitz-Holtkamp. Mit Gewichtswitzen auf seine Kosten brach er das Eis. „Unter 100 Kilo habe ich das letzte Mal bei meiner Einschulung gewogen“, bekannte „Ährwin“. „Aber nur solange, bis ich meine Schultüte leergefuttert hatte.“

Pizzabäcker mit Mafiamethoden

Wie schwierig es sein kann, beim Pizzadienst sein Abendessen zu bestellen, bewiesen Rita Echterhoff und Angelika Pauleikhoff. Der Italiener am anderen Ende der Leitung wusste einfach alles über seine Kundin in spe: Dass sie mit den Raten für ihren Neuwagen im Rückstand ist, und dass sie im Jahr 2008 wegen Beamtenbeleidigung angezeigt worden war. Angesichts dieser Mafiamethoden war der Appetit auf eine Calzone schnell verflogen.

Kuckuck nistet hinter Steltes Möbeln

Maßhalten beim Essen ist ja eh besser, wie „Der blaue Bock“ alias Norbert Steltenkamp zu berichten wusste. „Ich mache jetzt drei Diäten – denn von einer wird man nicht satt“, verriet er. Das Frustessen war wahrscheinlich eine Reaktion auf die vergeigte Jägerprüfung.

Norbert Steltenkamp.
Wer konnte auch ahnen, dass „Bei uns hinter den Möbeln“ die verkehrte Antwort auf die Frage „Wo nistet der Kuckuck am liebsten?“ ist? Apropos Gerichtsvollzieher: „Die sind wie kleine Kinder“, feixte Stelte. „Alles, was sie sehen, wollen sie haben.“ Wie passend, dass Markus Diekotto und Klaus Hesse als vermeintliche Finanzbeamte die Bühne stürmten und zur Geldbörsen-Razzia bliesen.

Seppel missachtet die Sperrstunde

Als „Erna und Josef“ warfen Norbert und Mäggi Mertensmeier einen humorvollen Blick zurück auf die vergangenen zwölf Monate des Westerwieher Dorflebens. Dabei erfuhren die Zuhörer, dass Seppel 450 Euro wegen Überschreitung der Sperrstunde beim Schützenfest an die Stadt zahlen musste und jetzt seine Kasse durch die Installation von Minikameras in den Hotelzimmern aufbessert.

„Liebes Tagebuch...“

Eine Spur zu zotig waren die meisten Witze von „Viereck“ Mark Buschsieweke. Fabian Hartkamp und Daniel Stücker („Fabse und Tüt“) hatten ein Tagebuch stibitzt, in dem sie genüsslich blätterten. Das Gelesene untermalten sie gekonnt pantomimisch – einfach göttlich!

Tänzerische Höhenflüge

Auf dem Sprung in höhere karnevalistische Sphären präsentierten sich alle Westerwieher Garden. Mit einem Lächeln auf den Lippen, das ansteckte, sowie Bewegungen voller Anmut und Grazie hatten die Tänzer das Publikum schnell auf ihrer Seite. An glanzvolle Rock 'n' Roll-Zeiten erinnerten die „Gardeküken“. Mit ihrer Liebeserklärung am Eiffelturm mit Baguette, Baskenmütze und Brioche brillierten die „Beachboys“. Funken sprühte die Gruppe „Art of Act“. „Gardeteenies“ und die Formation „Fascination“ glänzten ebenfalls.

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