Stolpersteine erinnern an Löwensteins
Bild: Schulte-Nölle
Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat am Mittwoch an drei Stellen in der Altstadt Stolpersteine verlegt. Sie sollen das Schicksal der Rietberger Zweige der ehemals in Neuenkirchen beheimateten Familie Löwenstein präsent halten. Bürgermeister Andreas Sunder (l.) mahnte, das Erinnern an die Opfer des NS-Regimes dürfe niemals aufhören.
Bild: Schulte-Nölle

Die ersten sieben Quader arbeitete Demnig, begleitet von rund 80 Bürgern, am einstigen Wohnsitz der Familie Julius Löwenstein an der Müntestraße 8 in das Pflaster ein. Dort, wo sich heute der Garten des Hauses Tenge befindet und wo seit dem Jahr 2000 eine Gedenktafel die Gräueltaten präsent hält, die die Nazis an Rietberger Juden verübten, mahnte Bürgermeister Andreas Sunder eindringlich, das Erinnern an die Opfer dieses Schreckensregimes dürfe niemals aufhören.

Weitere Aktionen geplant

Den Begriff Stolperstein wolle er dabei „im besten Sinne positiv verstanden wissen“, markierten sie doch auf dem Weg einen Moment des Innehaltens. „Wir bleiben stehen, werden aufmerksam – aufmerksam auf den Namen, der auf dem Stein steht, und somit aufmerksam auf das Schicksal, für das dieser Name steht“, sagte Sunder. Im Juni 2017 war Gunter Demnig zum ersten Mal zu Gast in der Kommune gewesen. Seinerzeit verlegte er Stolpersteine in Neuenkirchen. Die jüngste Aktion soll nicht die einzige Nachfolge dieser Erinnerungsoffensive bleiben.

„Wir sind auf dem Weg. Auf dem Weg, mit den Stolpersteinen eines der weltweit größten Mahnmale für die Opfer des Nationalsozialismus’ weiter zu vervollständigen“, versprach der Verwaltungschef. Er dankte in diesem Zusammenhang den engagierten Bürgern der Stadt, die die Quader gestiftet haben. Das sind Carl Philipp Tenge-Rietberg, Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde, Maximilian Rieländer, NRW-Landtagspräsident André Kuper, Rietbergs Stadtführer und der hiesige Verein „Haus und Grund“.

Schüler fassen Lebensgeschichten zusammen

Außer an der Müntestraße wurden die Erinnerungssteine auch an der Rathausstraße 29 als früherer Hausstelle der Familie Friedrich Wilhelm David Löwenstein sowie 30 als Wohnsitz der Familie Michael Löwenstein verlegt. Jugendliche der Jahrgangsstufen neun und zehn der Richard-von-Weizsäcker-Gesamtschule fassten an jeder Station in eindrücklichen Worten die Lebensgeschichte der Familienmitglieder zusammen, die von Nazis ermordet worden waren.

Todesdatum teils nicht bekannt

An der früheren Hausstelle Müntestraße 8 lebten Julius und Emma Löwenstein mit ihren Kindern Julie, Walter, Grete, Karl, Lieselotte und Hans. Im Rahmen der Novemberpogrome 1938 wurden der Druckereibetrieb mit Großhandel für Papier des Ehepaars zerstört und die Wohnräume der Familie verwüstet.

Julius und Emma Löwenstein wurden in der Folge nach Theresienstadt und später in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Ein Todesdatum liegt nicht vor. Die geistig behinderte Julie starb im Spätsommer 1940 in der Gaskammer der Euthanasie-Anstalt Brandenburg an der Havel. Julius’ Schwester Miriam Löwenstein, die ebenfalls an der Müntestraße 8 aufwuchs, flüchtete vor der NS-Diktatur nach Brasilien.

Flucht nach Brasilien gelingt

Hedwig Helene wuchs mit ihrer Familie an der Rathausstraße 29 auf. Sie heiratete ihren Cousin Selmar Löwenstein und zog mit ihm nach Witten, später nach Berlin-Charlottenburg. Von dort aus wurde das Paar am 17. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo beide zu Tode kamen.

An der Rathausstraße 30 stand das Elternhaus von Adolf Löwenstein, Cousin von Hedwig Helene Löwenstein. Er heiratete 1901 in Mönchengladbach Berthe Benjamin, wo auch deren neuer Wohnsitz war. Im Februar 1939 flüchtete das Ehepaar vor dem NS-Regime nach Sao Paulo (Brasilien).

SOCIAL BOOKMARKS