Strafrechtlich keine Vergewaltigung

Richterin und Staatsanwältin waren sich aber einig: Der Angeklagte habe eine „erhebliche moralische“, aber keine strafrechtliche Schuld auf sich geladen. Die Anwältin der betroffenen Ehefrau hatte als Nebenklägerin für zwei Jahre Gefängnis plädiert.

„Für mich war klar, dass dies ein ungewollter Geschlechtsverkehr gewesen ist“, sagte eine Polizistin (33), die die Strafanzeige entgegengenommen hatte, gestern als Zeugin aus. Der Ehemann sprach hingegen von einvernehmlichem Beischlaf.

Die Gattin, Mutter zweier kleiner Töchter, die sich aufgrund häufiger Streitereien in der erst dreijährigen Ehe sechsmal getrennt und wieder mit dem Gatten versöhnt hatte, gab zu Protokoll, er habe sich auf sie gelegt. Der 28-Jährige, der im Pflegedienst arbeitet und wie seine Frau aus Polen kommt, hielt sich erstmals wieder in der gemeinsamen Wohnung auf. Denn eine Strafanzeige wegen häuslicher Gewalt hatte ihn mit einem zehntägigen Hausverbot belegt.

Kaum wieder daheim, trank er mit der Schwiegermutter nachmittags fröhlich Kaffee. Und abends drängte er die Gattin, er wolle mit ihr den Geschlechtsverkehr vollziehen, um „die Ehe in guter Erinnerung zu behalten“, wie er ihr gegenüber begründete. Denn man wollte sich mal wieder trennen. Und sie, die eigentlich nicht wollte, ließ nach ihren Angaben „um des lieben Friedens willen und wegen der Kinder“ alles im Bett mit sich geschehen, was den Tatbestand Sex erfüllt.

So habe sie, wie die Staatsanwältin das Geschehen umschrieb, „geduldet, was sie nicht wollte, dies aber nicht verbal ausgedrückt.“ Die Nebenklägerin wurde deutlicher: „Sie hat mit den Füßen gestrampelt und versucht, sich weg zu drehen, als er sie küsste.“ Die Anklagevertreterin räumte ein, die 30-Jährige habe widersprüchliche Angaben gemacht. Die Richterin: „Es ist uns klar, dass das alles gegen den innerlichen Willen der Ehefrau geschehen ist. Aber hier gilt: Im Zweifel für den Angeklagten!“

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