Streik-Auswirkungen noch zu spüren
Bild: Wille
Nur noch ein Briefkasten und die Paketstation erinnern an die einstige Nutzung des Backsteingebäudes an der Bahnhofstraße/Ecke Stennerlandstraße als Hauptpostamt. Ende Mai hat der „Gelbe Riese“ in dem Anfang der 1990er-Jahre eröffneten Standort seine Zelte gänzlich abgebrochen: Die Vorsortierung der Briefe und Pakete fürs Stadtgebiet erfolgt seitdem im neuen Zustellstützpunkt in Neuenkirchen.
Bild: Wille

„Einen derart langen Arbeitskampf hat es in der Geschichte des Unternehmens noch nie gegeben“, sagt der Rietberger Postbedienstete, der seinen Namen aus Angst vor Konsequenzen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dass Gewerkschaft und Konzern lange keine Einigung erzielen konnten, habe seiner Auffassung nach an der „Starrköpfigkeit“ von Vorstand Jürgen Gerdes gelegen.

Wie der Briefzusteller im Gespräch mit der „Glocke“ betont, war vorrangig nicht für mehr Lohn, sondern für die Beibehaltung des Status Quo gestreikt worden. „Wir haben uns gegen den Aufbau von 49 Regionalgesellschaften für die Paketzustellung in Deutschland gewehrt“, sagt der Beschäftigte des Postkonzerns. Damit habe das einstige Staatsunternehmen das Ziel verfolgt, den Lohn für die 6000 Paketzusteller zu drücken, in dem die Vergütung nach regionalen Tarifen für die Logistikbranche anstatt nach dem Haustarifvertrag erfolgen sollte.

23 Zustellbezirke gibt es im Stadtgebiet, in denen 30 Zusteller im Einsatz sind. Nicht alle von ihnen durften streiken: Die verbeamteten Kollegen trugen weiterhin Briefe und Pakete aus und sprangen darüber hinaus nach Möglichkeit in den bestreikten Bezirken ein. „Trotzdem erreichten 60 Prozent der Sendungen in Rietberg nicht ihr Ziel“, sagt der Mitarbeiter. Nach dem Ende des Streiks werde es noch einige Tage dauern, bis alle in den vergangenen Wochen liegengebliebenen Sendungen verteilt seien.

Endgültig verabschiedet hat sich das Unternehmen in Rietberg vor kurzem vom einstigen Hauptpostamt an der Bahnhofstraße/Ecke Stennerlandstraße. Bislang diente das Gebäude gegenüber vom „Dänischen Bettenlager“ noch als Zustellstützpunkt, in dem alle Briefe und Pakete an Empfänger aus dem Stadtgebiet vorsortiert wurden. Diese Arbeit wird jetzt im Anfang Juni bezogenen neuen Standort an der Konrad-Adenauer-Straße in Neuenkirchen erledigt. In der ehemaligen Halle einer Autoglasfirma stehen deutlich mehr Lagerflächen zur Verfügung. Die Postschalter in dem gemieteten Gebäude an der Bahnhofstraße waren schon Anfang der 2000er-Jahre im Zuge der Einrichtung der Postagenturen geschlossen worden.

SOCIAL BOOKMARKS