Sündige Meile haucht Stadt Leben ein
Bild: Grujic
Mit Rotlicht könnte die Rietberger Innenstadt belebt werden. Das findet zumindest die Gruppe „Potsch“ der Grafschaftler Karnevalsgesellschaft. Das Freudenhaus hat auch schon eine Adresse: Die „Andreas-Sünder-Straße“. 77 Wagen, Gruppen und Musikkapellen mit insgesamt 2000 Teilnehmern säumten gestern die Straßen.
Bild: Grujic

Dicke Muckis, große Sonnenbrillen, reichlich Goldschmuck und „Vokuhila“-Frisuren: Die Zuhälter des Freudenhauses hatten am Rosenmontag nicht nur optisch alles im Griff. Um die neue Geschäftsidee in der Giebelstadt ordentlich anzukurbeln, verteilten sie unter den närrischen Zuschauern kurzerhand ein paar „Rotlicht-Gutscheine“. Das vermeintliche Manko Leerstand in der Innenstadt hatte die Gruppe um Andreas Reckgert für sich entdeckt und kurzerhand eine Geschäftsidee daraus gemacht. So wurde die Geisterstadt einfach schnell zur Touristenattraktion erklärt.

Aber es gibt auch seriösere Möglichkeiten, Rietberg attraktiver zu gestalten. Die Rosenmontagsgruppe Hemme forderte die Freigabe des Emswegs. Mit Ferngläsern inspizierten die Wandersfrauen das Umfeld. Machen wir uns nichts vor: Rietberg hat ja auch etwas zu bieten. Zum Beispiel den Gartenschaupark. Um diesen aber noch interessanter zu gestalten, hatten sich zahlreiche Zwerge und Halblinge auf den Weg in die Stadt der schönen Giebel gemacht. Mit dabei hatten die ulkigen Fabelwesen mit den großen Füßen ihre Holzhütte. Dafür wird man auf dem Gelände doch noch einen Platz finden, oder?

Wen das immer noch nicht überzeugt hat, der kann ja vielleicht bald in die Emsstadt kommen, um einen Blick in die Sterne zu werfen. Ging es aber nach den närrischen Akteuren des Rosenmontagsumzugs, ist ein Planetarium keine gute Idee: „Die Ratsherren suchen eifrig nach Planeten und verschleudern dabei unsere Moneten.“

Die absolute Attraktion Rietbergs, nämlich der Karneval, könnte, wenn man den Narren Glauben schenkt, ernsthaft in Gefahr sein. „Sicherheit ok – Karneval adé“ war das Motto. Ob die verschärften Vorschriften die Karnevalshochburg wirklich lahmlegen können? Gestern waren mehr als 2000 Jecken mit 77 Wagen, Fußgruppen und Musikkapellen beim Rosenmontagsumzug unterwegs. 30.000 Gäste feierten ausgelassen mit. Angesichts dieser Zahlen kann sich die Narrenschar beruhigt zurücklehnen und sich schon jetzt auf die kommende Session freuen.

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