Tatverdächtiger bleibt vorerst in Polen
Bild: von Stockum
Der dritte Tatverdächtige, der an dem Raubmord in Rietberg-Westerwiehe 2015 beteiligt gewesen sein soll, bleibt vorerst in Polen in Haft. Eine Auslieferung nach Deutschland ist zunächst noch icht abzusehen.
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Wie der Bielefelder Staatsanwalt Christoph Mackel gegenüber der „Glocke“ bestätigte, hat ein polnisches Gericht die Überstellung von Piotr L. an deutsche Behörden abgelehnt. Der 46-Jährige sitzt in seinem Heimatland in Untersuchungshaft: Ihn erwarten Freiheitsstrafen von insgesamt etwa vier Jahren, die er aufgrund diverser in Polen verübter Eigentumsdelikte – laut Mackel unter anderem Raub und Diebstahl – verbüßen soll. „Diese Freiheitsstrafen möchte das dortige Gericht erst einmal vollstrecken und verweigert deshalb die Auslieferung“, erläutert der Staatsanwalt.

Mackel hält es jedoch nicht für aussichtslos, Piotr L. doch noch vor einem deutschen Gericht für dessen Rolle bei der Bluttat in Westerwiehe anklagen zu können. So habe ihm die in Polen zuständige Richterin in Aussicht gestellt, den Tatverdächtigen – sollte es in der Bundesrepublik zu einer Hauptverhandlung kommen – für die Dauer dieses Prozesses auszuliefern. Im Fall einer Verurteilung müsste der 46-Jährige nach diesem Szenario seine Freiheitsstrafe dann in seinem Heimatland absitzen. Ein sogenanntes Rechtshilfeersuchen an die polnischen Behörden kann nach Angaben Mackels mit der Anklageerhebung gestellt werden. Letztere bereite er zurzeit vor.

In einem früheren Prozess waren bereits zwei der drei mutmaßlichen Raubmörder – Robert D. und Artur T. – wegen gemeinschaftlichen Mords, versuchten Mords, schweren Raubs und schwerer Körperverletzung zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden („Die Glocke“ berichtete). In der Nacht auf den 4. November 2015 hatten sie die Brüder Heinrich und Werner S. auf ihrem Bauernhof in dem Rietberger Ortsteil heimgesucht. Während Artur T. in einem Auto in der Nähe des Tatorts wartete, drang Robert D. nach den Erkenntnissen der Ermittler gemeinsam mit Piotr L. in das Haus ein.

Die Angreifer traktierten die beiden Brüder mit Schlägen, würgten und fesselten sie, in der Hoffnung, ein Versteck mit einer großen Menge Bargeld zu finden. Die Brüder weigerten sich jedoch, dieses preiszugeben. Während der jüngere Werner S. schwer verletzt überlebte, kam für den ein Jahr älteren Heinrich S. jede Hilfe zu spät. Die später eintreffenden Rettungskräfte konnten nur noch seinen Tod feststellen.

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