Toter in Mastholte: Ermittlungen eingestellt
Bild: von Stockum
Oleg Iljenko, der Bruder des toten Pawel, an der Schillerstraße in Mastholte. Sein Rechtsanwalt Alexander Kin legte Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens ein.
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Alexander Kin, Rechtsanwalt aus Hamburg und mit der Wahrung der Interessen der Hinterbliebenen beauftragt, legte umgehend Protest ein – zunächst ohne eine ausführliche Begründung. Diese werde in den kommenden Tagen an die zuständige Behörde, die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm, übermittelt.

Familie des Opfers macht der Polizei schwere Vorwürfe

Pawel Iljenko war am 9. Juli 2018 mit seinem Mercedes-Kombi am Rand der Mastholter Siedlung liegengeblieben und soll dann randaliert haben. Die Polizei schritt mit vier Streifenwagenbesatzungen ein, darunter auch zwei Kommissaranwärter. Während dieses Einsatzes kam der 46-jährige Familienvater aus Paderborn ums Leben. Da die Bordkameras in sämtlichen Fahrzeugen ausgeschaltet gewesen sein sollen, liegen keine Aufnahmen von den Ereignissen vor. Das zuständige Kriminalkommissariat 23 ermittelte gegen drei Anwohner sowie fünf Polizisten.

Die Familie des Opfers macht der Polizei schwere Vorwürfe: Sie sei mit übertriebener Härte gegen Pawel Iljenko vorgegangen. Das rechtsmedizinische Gutachten kommt zu einem anderen Schluss. Den Medizinern zufolge ist Iljenko an einem Herz-Kreislauf-Versagen infolge eines Excited-Delirium-Syndroms gestorben.

„Gewichtung der Aussagen zu einseitig“

„Die Angehörigen empfinden die Gewichtung der Aussagen als zu einseitig“, machte Alexander Kin am Mittwoch im Gespräch mit der „Glocke“ deutlich, warum man Beschwerde gegen die Verfahrenseinstellung eingelegt habe. So seien Belastungszeugen zu kurz gekommen, vielmehr entlastende Aussagen und die Beschuldigten selbst unverhältnismäßig stark berücksichtigt worden.

Pawel Iljenko soll völlig von Sinnen und verwirrt gewesen sein sowie Bärenkräfte entwickelt haben, als er in seinen letzten Lebensminuten zu Boden gerungen wurde. Diese Symptome lassen den Gerichtsmedizinern zufolge auf das Excited-Delirium-Syndrom schließen, das immer wieder im Zuge polizeilicher Zwangsmaßnahmen auftritt: Der Betroffene kämpft dabei nicht um seine Freiheit, sondern um sein Leben. Möglicherweise hat somit auch Iljenko keine klassische Gegenwehr geleistet, sondern wollte dem Erstickungstod entgehen.
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