Ungewissheit beim Stadtanzeiger
Bild: Sudbrock
An der Industriestraße in Rietberg hat die Firma Rehling ihren Sitz. Seit einiger Zeit befindet sich das Unternehmen, das den Stadtanzeiger herausgibt, in finanzieller Schieflage.
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Die Beschäftigten seien freigestellt, sagte am Dienstag Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Dr. Norbert Küpper (Verl) im Gespräch mit der „Glocke“. Das bedeute, dass die Gehälter derzeit von der Agentur für Arbeit bezahlt würden, weil das Unternehmen selbst nicht mehr über die erforderlichen Geldmittel verfüge. Für die nächsten Tage kündigte der Jurist eine Sitzung des Gläubigerausschusses an. Inwieweit eine weitere Ausgabe des Stadtanzeigers gedruckt und an Haushalte verteilt werden könne, werde noch entschieden, so Dr. Norbert Küpper weiter: „In vier Wochen wissen wir, wo der Zug hinfährt.“

Ruinöser Preiskampf

„Mit der gegenwärtigen Kostenstruktur brauchen Sie gar nicht erst anfangen“, nennt der Rechtsanwalt einen Grund für die finanzielle Schieflage des Unternehmens. Als ein weiterer gilt ein ruinöser Preiskampf im Anzeigengeschäft, den sich verschiedene Formate liefern. Nicht zu vergessen die stetig schrumpfenden Werbeetats beziehungsweise die zunehmende Verlagerung der Marketingaktivitäten ins Internet. Unterm Strich verzeichne man eine massive Unterdeckung, sagt Küpper, der die vergangenen Wochen dazu genutzt hat, sich ein Bild von der wirtschaftlichen Lage des Medienbetriebs zu machen. „Da kommen einige Dinge zusammen.“

Solide Basis fehlt

Der Rietberger Stadtanzeiger sei im 45. Jahr aktiv und über die kommunalen Grenzen hinaus beliebt sowie anerkannt, heißt es in einer der jüngsten Ausgaben in einem Vorwort, das das Team des Magazins unter Leitung von Geschäftsführer Bernd Rehling an seine Leser richtet. Qualität und Engagement benötigten eine wirtschaftlich solide Grundlage, „auf die wir uns immer verlassen konnten“. Die lokale Marktentwicklung habe diese Basis in den vergangenen Jahren aber negativ beeinflusst, schreiben die Beschäftigten im „Blatt der Stadt“ weiter.

Nicht die erste Insolvenz

Der Trend habe sich abgezeichnet, weiß Küpper. Der Delbrücker Stadtanzeiger, der ebenfalls zum Portfolio der JRB Medien UG gehörte, ist bereits seit Ende Dezember Geschichte. Bereits Mitte 2016 hatte der Graphische Betrieb Rehling, sprich die Druckerei, die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Verantwortlich für die Negativentwicklung der Betriebsergebnisse war damals laut Rehling die anhaltend schlechte Situation auf dem Sektor.

Insolvent ist aktuell auch die Werbeagentur Rehling Konzept und Medien UG, die ebenfalls an der Industriestraße ihren Sitz hat.

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