Urteil gegen Messerstecher erwartet
Ein 19-Jähriger hatte im September 2013 einen 43-Jährigen in der Höppesiedlung schwer verletzt. Der Prozess vor dem Landgericht läuft.

Die Gefängnisstrafe wegen versuchten Totschlags forderte  der Staatsanwalt im Verfahren vor dem Bielefelder Landgericht. Die Verteidigung beantragte, den jungen Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung mit einem Dauerarrest zu bestrafen. Das Urteil soll erst am Mittwoch, 12. März, ausgesprochen werden.

 Der Richter sagte: „Wir brauchen für diese nicht einfache Urteilsfindung viel Zeit.“ Der Vertreter des Nebenklägers, der Rietberger Rechtsanwalt Klaus Glasenapp, betonte, der junge Mann habe „von vornherein vorgehabt, eine Auseinandersetzung zu suchen“. Das Opfer sei „ahnungslos in die Situation hineingeraten“. Glasenapp schilderte, der linke Arm seines Mandanten sei nicht mehr einsatzfähig. Er räumte eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten ein und forderte für ihn „eine Jugendstrafe – egal wie hoch“.

Was auf offener Straße und unter Einfluss von Alkohol geschehen sei, könne auch als „Jungmännergehabe“ begonnen haben. Nach dem Motto „der hat mich angepöbelt, jetzt muss ich Flagge zeigen“, interpretierte der Rechtsanwalt des Angeklagten, Max Mauntelt. Der Verteidiger erinnerte an das vor Gericht erläuterte Gutachten des Psychiaters Dr. Carl-Ernst von Schönfeld, der dem 19-Jährigen eine – aus dessen katastrophal verlaufenen frühen Kindheit herrührende – Persönlichkeitsstörung bescheinigt hatte („Die Glocke“ berichtete).

Er erkenne nicht die „Grautöne“ zwischen einer gefühlten Opferrolle und dem Gefühl, angegriffen zu werden: „Erst begann er ruhig zu sprechen. Er redete sich in Rage und stach danach zu.“ Den schmal wirkenden Jüngeren habe der Anblick des kräftig gebauten 43-Jährigen, der mit nacktem Oberkörper und unter Einfluss von sieben Litern Bier auf ihn zugesteuert sei, förmlich in Angst versetzt. „Ich denke, für ihn war es eine Notwehrhandlung.“

 Sein Mandant habe bei allen Vernehmungen „durchgängig“ ausgesagt, er habe den angeblichen Kontrahenten nur im Schulterbereich verletzen wollen. Doch das spitze Küchenmesser, von oben nach unten geführt, verletzte den Älteren nahe der Halsschlagader.

Es war nur ein Stich, doch ein folgenschwerer: Die Messerklinge zerschnitt ein Nervengeflecht. Dadurch soll die Beweglichkeit des linken Arms und der linken Hand bis heute erheblich eingeschränkt sein, wie gestern auch ein Arzt im Zeugenstand bestätigte.

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