Vom Adlerweg auf den Adelsthron
Bild: Grujic
„Mami steht da hinten und weint“: Dass sein Vater Mario Kohl den Holzadler erlegt hat, gefiel dem fünfjährigen Maiko auf Anhieb. Weniger Freude am Königsschuss hatte nach Auffassung des Sohnemanns Mutter Sonja. Aber weit gefehlt: Bei der Proklamation im Festzelt stand der zweifachen Mutter die Freude über den Siegtreffer ihres Gatten ins Gesicht geschrieben.
Bild: Grujic

180 Schüsse waren am Pfingstmontag bis dahin gefallen – und zugleich ein neuer Stern am Druffeler Monarchenhimmel aufgegangen. Dass sich Mario Kohl (38) wie ein sprichwörtlicher Schneekönig über seinen Siegtreffer freute, konnte er nicht verbergen. Musste er aber auch gar nicht: Denn mindestens das halbe Dorf jubelte dem Exil-Druffeler zu, der mit seiner Familie am Adlerweg in Varensell wohnt.

„Mami steht da hinten und weint“

Weder die drohenden Regenwolken über dem Festplatz, noch der Hinweis seines fünf Jahre alten Sohns Maiko kurz nach dem Königsschuss („Mami steht da hinten und weint“) konnten dem frisch gebackenen Monarchen, der im wirklichen Leben als Vertriebsleiter beim international agierenden Kommunikationsdienstleister „Level 3“ arbeitet, die Laune verderben.

Das Jungschützenkönigspaar.
Spätestens bei der Proklamation im Festzelt war klar, dass es nur Freudentränen gewesen sein konnten, die über die Wangen von Königin Sonja gekullert waren. Denn der 38-jährigen Hausfrau und Mutter – zur Familie gehört auch der zwei Jahre alte Louis – stand die Freude über die grüne Machtübernahme in Rietbergs kleinstem Stadtteil ins Gesicht geschrieben.

Aspiranten am laufenden Band

Außer Kohl wetteiferten am Montag in Druffel mit Robert Brüggershemke, Dirk Meier, Klaus Schnieder und Thorsten Borgmeier vier weitere Aspiranten um die Nachfolge des bisherigen Amtsinhabers Antonius Beermann aus Lintel – von Königsflaute wie andernorts also keine Spur, was wiederum Brudermeister Paul Vorbohle ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen zauberte. Mit seiner Taktik („Gegendruck aufbauen, indem man auf den Schweif zielt“) hatte Mario Kohl eindeutig die Nase vorn. Das zeichnete sich bereits Sekunden nach der Schießpause ab, als der spätere Regent den Adler mit einem genau platzierten Treffer in zwei Teile zerlegte und Robert Brüggershemke kurz darauf die linke Hälfte herunterholte.

Treffsichere Insignienschützen

Schnell waren gleich zu Beginn der 80-minütigen Schießens die Insignien zu Boden gesegelt. Die Krone traf Markus Himmeldirk (28. Schuss), das Zepter Norbert Ströhmeier (30.) und den Apfel Bernhard Hollenbeck (31.). Beide Flügel erlegte Josef Mertensotto (76. und 141. Kugel).

Thomas Hollenbeck regiert den Nachwuchs

Die Druffeler Jungschützen haben bereits seit Pfingstsonntag um 19.50 Uhr einen neuen Regenten. Der 26-jährige Elektriker Thomas Hollenbeck setzte sich im zähen Ringen um die Königswürde gegen zahlreiche Konkurrenten durch. Mit der 228. Ladung machte er alles klar. Zur Königin wählte Hollenbeck seine Freundin Nadine Erlenkötter. Die 25-Jährige arbeitet als Krankenschwester, wenn sie gerade mal nicht die Krone aufhat. Die Insignien errangen Marius Buschsieweke (Krone, 38. Schuss), Martin Mertensotto (Zepter, 63.) und Thomas Hollenbeck (Apfel, 68.).

Ehre, wem Ehre gebührt

Zwischen den Schießwettbewerben hagelte es hochkarätige Auszeichnungen. Über das Ehrenkreuz des Sports in Bronze freute sich Reinhold Hansmeier. Das St.-Sebastianus-Ehrenkreuz erhielt am Montagmorgen Eberhard Dreisewerd. Der 80-Jährige war mit 18 Jahren in den Vereinsvorstand gewählt worden – und damit damals der mit Abstand Jüngste in der Führungsriege der Bruderschaft. Über Silberne Verdienstkreuze freuten sich Manfred Knaup, Marcus-Antonius Beckervordersandforth und Meinolf Buschsieweke.

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