Vom Busunternehmer zum Schützenkönig
Bild: Sudbrock
Gefeierter Held: Im zweiten Anlauf hat Hugo Zander am Montagmittag die Königswürde in Varensell errungen. Bereits vor drei Jahren hatte er einen Versuch unternommen. Damals musste er sich Mitkonkurrent Ulrich Humann knapp geschlagen geben.
Bild: Sudbrock

Die Verschnaufpause, die ihm ein kräftiger Wolkenbruch etwa zur Halbzeit des Vogelschießens verschaffte, ist dem Varenseller Holzadler nicht gut bekommen. Hielt er in der ersten Hälfte des Wettbewerbs dem Dauerbeschuss der St.-Benediktus-Schützen noch wacker stand, hatte er dem Kugelhagel im zweiten Teil des spannenden Schießens kaum etwas entgegenzusetzen. Oder lag es gar nicht an der Kondition des Raubvogels, sondern an der Stärke seiner Gegner, dass die Adlerjagd nach dem Regenguss wesentlich schneller zu Ende war als gedacht? Willi und Bernhard Hemel, Vize-Brudermeister Ralf Hesse, Ulrich Hemmersmeier sowie der letztlich siegreiche Hugo Zander setzten nämlich alles daran, die Nachfolge des scheidenden Monarchen Dennis Deppe anzutreten. Dabei schenkten sie weder sich untereinander etwas, noch dem Objekt der Begierde, das das turbulente Geschehen auf dem sommergrünen Festplatz mit wachsender Verzweifelung im wahrsten Wortsinn aus der Vogelperspektive verfolgte.

Adler hat keine Chance

Von Beginn an standen die Chancen für den „gefiederten Freund“ eher schlecht. Mit der dritten abgefeuerten Kugel Blei hatte ihm der Ex-Regent Dennis Deppe die Krone abgeluchst. Der Apfel fiel durch Mathias Knoche (siebter Schuss). Helmut Schmitz traf mit der 36. Gewehrladung das Zepter. Über das Bierfass freute sich Ulli Heukamp (154. Schuss). Den linken Flügel durfte Ralf Hesse mit der 200. Kugel sein Eigen nennen. Das rechte Gegenstück sicherte sich mit dem 242. Versuch Ulrich Hemmersmeier.

Minuten später hatte für den Holzvogel das letzte Stündlein geschlagen: Mit dem 269. Schuss holte Hugo Zander um 13.03 Uhr den kümmerlichen Rest des einstigen „Königs der Lüfte“ von der Stange. Der 57-jährige Busunternehmer regiert den Verein gemeinsam mit seiner Ehefrau Marita (55). Das Paar hat zwei Töchter: Vera (30) und Alina (23).

Doppelter Grund zum Feiern

Die Regentschaft kommt für den frisch gekürten Monarchen goldrichtig: Das Familienunternehmen („Wir haben eine Traumbelegschaft“, O-Ton Zander) besteht genau seit 50 Jahren. „Jetzt haben wir doppelten Grund zum Feiern“, freute sich der sympathische König über seinen Siegtreffer.

Glanzvoller Hofstaat

Das Throngefolge des frisch gebackenen Varenseller Regentenpaars Hugo I. und Marita I. Zander bilden: Roland und Gisela Blomberg (als Zeremonienmeister), Wolfgang Schulte und Martina Kesting, Hermann und Susanne Brüggenthies, Michael und Maria Perschke, Rolf und Ulrike Lampe, Ulrich und Sonja Hemmersmeier sowie Walter und Heike Gieseker. Die blaublütige Gesellschaft wird die Schützenbruderschaft ein Jahr lang repräsentieren.

Oliver Peitzmeier regiert die Jugend

Besser hätte das Vogelschießen des Vereinsnachwuchses am Sonntagabend für Jungschützenmeister Oliver Peitzmeier nicht laufen können. Der 21-jährige angehende Industriekaufmann erlegte den Holzadler mit der 266. Bleikugel. Damit wird der Jungschützenchef als Jubiläumskönig in die Annalen der Nachwuchsabteilung eingehen: Die Jugendkompanie der Klosterdorf-„Grünröcke“ feiert in diesen Tagen ihr 25-jähriges Bestehen. Zur Königin wählte Oliver Peitzmeier die ebenfalls 21 Jahre alte Michelle Ketzer. Insignien und Flügel sicherten sich: Tobias Altehülshorst (Krone, 15. Schuss), Kai Brungs (Apfel, 51. Schuss), Henrik Pepping (Zepter, 126. Schuss), Stefan Merschbrock (rechter Flügel, 156. Schuss), Sebastian Beermann (linker Flügel, 194. Schuss) und Jan Hartkämper (Bierfass, 113. Schuss).

Nachwuchsabteilung besteht seit 25 Jahren

Ihre Gründung vor einem Vierteljahrhundert hat die Varenseller Jungschützenabteilung zum Anlass für ein Jubiläumsschießen genommen. Zugelassen beim Wettkampf um den Titel „König der Könige“ waren am Sonntagabend auf dem Platz an der Varenseller Straße vor den Toren des Klosterdorfs alle ehemaligen Nachwuchsregenten der St.-Benediktus-Bruderschaft. Bereits nach 127 abgefeuerten Gewehrladungen war das Rennen entschieden. Dirk Strunz, der die Schützenjugend des nördlichsten Rietberger Stadtteils im Jahr 1993 regierte, brachte den Aar zu Fall. Zuvor hatte er sich bereits den Apfel (36. Schuss) gesichert. Die Krone traf Daniel Wurg (15. Schuss), das Zepter Jens Diekmann (69. Schuss).

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