Vom alltäglichen Schulwahnsinn
Bild: Vredenburg
Muntere Truppe: (v. l.) Hans Peter König, Hermann-Josef Skutnik und Andreas Boxhammer besingen das „A-a-Adolphinum“ als „halbe Miete auf dem Weg in die Elite“.
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 „Wir sind die wahren Helden des Alltags, denn wir müssen tagtägliche pädagogische Kämpfe und Krämpfe durchstehen“, lassen die Kollegen Lass, Krick, Müller-Liebenstreit, Frau Lengowski und nicht zuletzt Hausmeister Maus ihr Publikum wissen.

Auf der Bühne stehen „Die Daktiker“ aus Lippstadt, die jüngst Rietbergs Rundtheater in ein Lehrerzimmer verwandeln. Willi R. Lass, kommissarischer Schulleiter am Adolphinum (Andreas Boxhammer) bereitet Kopfzerbrechen, „wie man 30 randalierende, pubertierende, psychopharmezeutisch auffällige Jugendliche gruppendynamisch betreuen, individuell fördern und zu kritisch engagierten Bürgern erziehen und dabei nicht ausrasten soll“. Kollege Krick (Hans Peter König) gibt sich ebenfalls verzweifelt: „Wenn man die Schüler als Partner sieht, versteht man sein eigenes Machtwort nicht mehr.“ Herbert aus der 9 c, „dieser Muskelprotz und wandelnde Hormonskandal“, macht ihm besonders zu schaffen und treibt ihm schon morgens den Schweiß auf die Stirn.

In einer gelungenen und geradezu befreienden Fortbildung in Sachen Humor plagen sich „Die Daktiker“ mit Unterrichtsausfällen, Lernstandserhebungen, Inklusion, Digitalisierung sowie Eltern- und damit Großkampftagen („Da werden Karrieren geschmiedet und Schicksale entschieden“) herum. Und das mit reichlich Wiedererkennungswert. Wie gut, dass Gitarre, Saxofon oder Keyboard zur Hand sind, noch bevor die Problemlage eskaliert. In ihren Liedern lassen sich die vier Kabarettisten ebenso genüsslich wie bissig über das „A-a-Adolphinum“, den „Streichelzoo Inklusion“ und die Bildungslandschaft insgesamt aus. Der bitterböse Refrain dazu lautet: „Wir sind 16 Länder, machen’s uns bequem, wir haben zig Arten Schule, aber kein System, es wird getrickst und geschoben, gezankt und gekeilt, der ganze Laden ist total verpeilt.“

Während das Publikum applaudiert, muss Frau Lengowski (Brigitte Lämbgen) plötzlich los, um ihren Marcel vom Kindergarten abzuholen. Kollege Krick wundert sich: „War der Sprössling bei der letzten Konferenz nicht noch ein Mädchen?“ Und überhaupt: Musste sie ihren Balg direkt nach den Sommerferien kriegen? „Das ist kollegiumsfeindliche Familienplanung“, empört sich Krick. Nicht nur dieser Lacher bleibt im Halse stecken.

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