Wenn die Stadtgeschichte greifbar wird
Bild: Wille
Archäologische Schmuckstücke gehören zu der Sammlung von Herbert Bolte, der 2009 verstarb. Michael Orlob, Vorsitzender des Heimatvereins Rietberg, und Johannes Glaw, Stadtarchäologe von Gütersloh, haben die Funde zu einer Ausstellung zusammengestellt.
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Die Sammlung von Herbert Bolte lässt die Geschichte der Giebelstadt bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Und weil das so spannend ist, haben Michael Orlob, Vorsitzender des Heimatvereins Rietberg, und Johannes Glaw, Stadtarchäologe von Gütersloh, die Funde genauer unter die Lupe genommen. Schnell war klar: Diese Zeugnisse will man den Bürgern nicht vorenthalten. Deshalb haben es die repräsentativsten Stücke nun in die Ausstellung „Scherbenhaufen“ geschafft. Drei Vitrinen können ab sofort in der Hauptstelle der Sparkasse Rietberg an der Bahnhofstraße 39 bewundert werden.

„Rietberg ist um einen Schatz bereichert worden“, machte Werner Bohnenkamp gestern bei der Eröffnung deutlich. Denn die Funde, die alle aus dem 16. bis 18. Jahrhundert stammen, machen die Vergangenheit Rietbergs greifbar. Weinflaschen, Fensterglas, Knochen, Pfeifen, Keramik-Reste und Hölzer gehören zu der Sammlung von Herbert Bolte. Die Stücke wurden in Abfallgruben gefunden. „Gerade der Abfall ist etwas, worauf die Archäologen sehr gierig sind“, sagt Johannes Glaw. Denn diese Funde verrieten mehr, als man auf dem ersten Blick glauben wolle. So habe Herbert Bolte viele Glasfunde archiviert. Dieses Material sei im 16. und 18. Jahrhundert aber äußerst kostbar gewesen, weshalb dies auf „bescheidenen Wohlstand in einigen Rietberger Häusern“ schließen lasse.

Aber Glas war nicht das Einzige, was „Onkel Bolte“, wie den ehemaligen Beauftragten für Bodendenkmalpflege viele nannten, in die Hände fiel. Auch Knochen von Großtieren wie Rindern, Pferden und Schweinen hat er gesammelt. Diese Schlachtabfälle wurden früher in den Abfallgruben der Ackerbürgerhäuser entsorgt. Zu der Ausstellung zählen auch Tonpfeifen, die die Bürger damals aus Holland bekamen. Sie waren 60 bis 70 Zentimeter lang, weshalb „man schon ziemlich lange Arme brauchte“, wie Glaw mit einem Lachen erklärte. Sie brachen oft in Stücke, weshalb man keine unversehrten Exemplare mehr gefunden hat.

Funde aus innerstädtischem Gebiet

Als der Heimatverein Rietberg nach dem Tod von Herbert Bolte im Jahr 2009 die zahlreichen Funde überreicht bekam, war es gar nicht so einfach, sich einen Überblick zu verschaffen. Denn Bolte hatte eine Vielzahl von Baumaßnahmen archäologisch begleitet und so jede Menge Material gesammelt. Vor allem aus dem innerstädtischen Gebiet Rietbergs stammen die Funde, die im Zuge der Kernsanierungen der historischen Bauten in den 1970er - und 80er Jahren gemacht wurden.

Die drei Vitrinen, die im Hauptgebäude der Sparkasse aufgebaut sind, geben nur einen geringen Teil der Sammlung von Herbert Bolte wieder. „Fünfmal so viel liegt noch in der Scheune des Heimathauses“, sagt Johannes Glaw und lacht. Dort hat er gemeinsam mit Michael Orlob die Funde gesichtet und kategorisiert. Mehr als vier Jahre hat das Team benötigt, um alle Funde unter die Lupe zu nehmen. Die wissenschaftliche Auswertung sei auch erst hinsichtlich der frühzeitlichen Glasfunde weitgehend abgeschlossen.

Die Ausstellung „Scherbenhaufen“ ist noch bis Freitag, 27. März, in der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Rietberg, Bahnhofstraße 39, für Besucher geöffnet.

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