Wie viel Grün muss, wie viel Stein darf?
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So nicht: Schottergärten wie diesen, in denen Kies und Co. klar dominieren, soll künftig per Passus im Bebauungsplan ein Riegel vorgeschoben werden. Das hat der Bauausschuss mehrheitlich beschlossen.
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Am Ende unterstützte das Gremium mehrheitlich den Antrag der Bündnisgrünen, in künftigen Bebauungsplänen ein entsprechendes Regelwerk zu verankern. Die Sachlage ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Roger Loh vom Büro „Stadtplanung und Kommunalberatung Tischmann – Loh“ aus Rheda-Wiedenbrück hatte für die Sitzung eine umfangreiche Präsentation vorbereitet, die vor allem eines deutlich werden ließ: Schottergarten ist mitnichten gleich Schottergarten.

Schottergarten ist nicht gleich Schottergarten

Ihn kategorisch aus dem Stadtbild zu verbannen, ist entsprechend wenig sinnvoll. Je nach Art der Gestaltung könne das per Definition zwischen Haus und Straße gelegene Grundstück für Insekten, Vögel und Co. trotz Zierrats aus Stein gar hochwertiger – und damit lebensfreundlicher – daherkommen als sein Pendant mit englischem Rasen, stellte Loh heraus.

Hier macht es aus Sicht des Stadtplaners vor allem die richtige Mischung aus Schotter und Grün. Und nicht zuletzt ein Verbot für Sperrschichten, die verhindern, dass Regen im Erdboden versickern kann. Bauherren beides über die Bauleitplanung vorzugeben, biete den Vorteil der Rechtssicherheit. „In diesem Fall müssen sie sich aber auch die Frage stellen: Wer kontrolliert, dass die Regelung eingehalten wird?“ , gab Loh mit Blick auf personelle Ressourcen bei der Stadt zu bedenken. Er plädierte daher dafür, die Bürger zusätzlich im Rahmen eines Beratungsangebots über Sinn und Unsinn von Steingärten aufzuklären.

Ein Faltblatt zum Thema hat die Emskommune bereits auf den Weg gebracht und im jüngsten Umweltausschuss vorgestellt. Als Grundlage dient ein Flyer des Städte- und Gemeindebunds NRW, der die Vorteile naturnaher Vorgärten beschreibt. Die Verwaltung habe diesen individualisiert und stelle ihn nun der Öffentlichkeit zur Verfügung, informierte Rüdiger Ropinski, Abteilungsleiter Stadtentwicklung. Denkbar ist für Roger Loh ebenfalls ein Bonussystem, das etwa per nachgelagerter Reduktion des Grundstückspreises oder anhand von Pflanzgutscheinen jene Hausbesitzer belohnt, deren Vorgärten grün gedeihen statt grau veröden.

Bebauungsplan gibt Regeln an die Hand

Grundsätzlich wolle man niemandem den Steingarten verwehren, wenn dieser ökologisch sinnvoll sei und auf wasserundurchlässige Sperrschichten verzichte, sagte Grünen-Ratsfrau Gabriele Siepen, hob aber zugleich hervor: Wenn es sich anbietet, sollten wir die Vorgaben auch festsetzen. Dann haben wir einen Hebel, um nachzuhaken.“ Das sahen Josef Beermann und Doris Heßbrüggen-Eisermann (beide FWG) anders. Sie bezeichneten den Vorstoß als zu weitreichend und wollten stattdessen auf Aufklärung setzen.

Konkret beschloss das Gremium letztlich folgenden Bebauungsplan-Passus: „Die Vorgärten sind je Einzel- und Doppelhäuser zu mindestens 50 Prozent und bei Reihenmittelhausgrundstücken zu mindestens 25 Prozent als Vegetationsflächen (zum Beispiel Rasen, Gräser, Stauden, Kletterpflanzen, Gehölze) anzulegen und dauerhaft zu erhalten. Kombinationen mit natürlich vorkommenden mineralischen Feststoffen (zum Beispiel Kies, Bruchsteine, Bruchsteinmauer) sind bis zu einem Drittel der Vegetationsflächen zulässig. In den Vegetationsflächen ist nur die Verwendung von offenporigen, wasserdurchlässigen Materialien zulässig. Dies gilt auch innerhalb des Bodenaufbaus. Wasserundurchlässige Sperrschichten sind unzulässig. Die Stellplatzordnung hat Vorrang und ist zu erfüllen.“

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