„Wir glauben alle an denselben Gott“
Bild: Konrad Oesselke

Am Tannenbaum im Pfarrzentrum St. Anna Bokel hängen Sterne aus gelbem und rotem Tonpapier.

Bild: Konrad Oesselke

Die 40 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die die Wünsche aufgeschrieben haben, stammen aus Syrien, Ghana, dem Kosovo oder einer anderen Krisenregion. Obwohl sie alle aus unterschiedlichen Teilen der Erde nach Bokel gekommen sind, haben sie dieselben Hoffnungen für die Zukunft: „Ich möchte meine Familie endlich wiedersehen“, ist gleich auf mehreren der Papiersterne zu lesen. Auf anderen steht: „In meinem Heimatland soll wieder Frieden herrschen.“ Eine Frau wünscht sich eine Wohnung für sich und ihre Kinder. Und ein kleiner Junge träumt von einem ferngesteuerten Hubschrauber, den ihm das Christkind an Heiligabend bringen soll.

Das fliegende Spielgerät lässt sich wahrscheinlich am einfachsten realisieren. Frieden in der Heimat, ein Bleiberecht in Deutschland oder das langersehnte Wiedersehen mit den Lieben, die zurückgeblieben sind: Das sind Wünsche, die nicht ohne Weiteres erfüllt werden können. Auch nicht von den Mitgliedern der Caritaskonferenz Bokel und ihren freiwilligen Helfern aus dem Dorf, die sich um die Betreuung der 75 Flüchtlinge kümmern, die zurzeit in den städtischen Unterkünften an den Straßen „In der Heide“ und „An der Schule“ ein neues Zuhause gefunden haben.

Mehr als 40 Asylbewerber waren der Einladung der Caritas zur Adventsfeier ins Pfarrheim gefolgt. Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Betreuern haben die Frauen, Männer und Kinder gelacht, gesungen und Plätzchen gegessen. „Manche von ihnen feiern in der Heimat kein Weihnachten“, sagt Christa Verhoff von der Caritas. „Sie sind trotzdem gekommen, worüber wir uns sehr gefreut haben.“ Eine Muslimin habe sogar kürzlich eine Messe in der Bokeler Pfarrkirche mitgefeiert und anschließend festgestellt: „Wir glauben doch alle an denselben Gott.“

Es seien Momente wie diese, die den Caritas-Helferinnen und ihren Mitstreitern aus der Gemeinde zeigten, „dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Martina Peitzmeier. „Als wir im Pfarrheim alle gemeinsam Lieder gesungen haben, da war für mich persönlich Weihnachten.“ Zusammenzurücken und füreinander einstehen, das sei es schließlich, was das christliche Fest der Liebe im Kern ausmache.

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