Blankemeyers sind Teil des Erfolgs
Bild: Stickling
Herbert Kleinhans, stellvertretender Vorsitzender des Verler Heimatvereins, hieß im voll besetzten Heimathaus den Referenten des Abends, Roland Behrendt (links), willkommen.
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Sie ist für die Stadt ein wertvoller Nachweis für das frühe und visionäre Handeln einer Unternehmerfamilie. Die Familie Blankemeyer darf für sich in Anspruch nehmen, 1841 das erste Gewerbeunternehmen im Verler Land gegründet zu haben. Großzügig konzipierte Privat- und Geschäftshäuser, dazu Produktionsstätten für Fleisch- und Wurstwaren sind noch heute Zeugnisse einer wohl einzigartigen Geschichte.

Roland Behrendt referierte darüber auf Einladung des Heimatvereins Verl im Heimathaus. Johann Georg Blankemeyer, 1779 in Recke geboren, kam als 20-jähriger Bursche 1799 der guten Handelswege wegen in das Verler Land und wurde dort ansässig. Er und sein Sohn Joan Friedrich (geboren 1807) entwickelten einen Geschäftssinn, der seinesgleichen sucht.

Ihr Metier: qualitativ hochwertige Fleisch- und Wurstwaren. Abnehmer fanden sie in ganz Deutschland und auch in den europäischen Nachbarländern. Zudem unterhielten sie einen Gast- und Logierbetrieb, einen Kolonialwarenhandel, eine Bäckerei und eine Landwirtschaft. Herrliche Fotografien, gut erhaltene Dokumente, so Baugesuche adressiert an Amtsmann Rohden und an die „wohllöbliche Bau- und Polizeibehörde“, Pachtverträge, Nutzungsrechte, Hypothekenverschreibungen, Vorgänge mit Rentenbanken, alte Katastereinträge und Handelsregistereintragungen in Sütterlinschrift verfasst, gaben den unzähligen Besuchern im Heimathaus einen tiefen Einblick in das Leben der Blankemeyers.

 Sie erfuhren auch von den Schicksalsschlägen. Unter anderem von einem Großbrand am 21. April 1885 um 12.30 Uhr, „den anrückende Spritzenwagen aus den Nachbargemeinden und die mit Wassereimern hantierende Menschenkette“ nicht zu löschen vermochten und dessen Flammen auch das Haus des Amtmanns Rohden vernichteten.

Sowohl Joan Friedrich, von dem der Ausspruch stammt „Nicht jedes Schwein ist ein gutes Schinkenschwein“, als auch sein Sohn Johann investierten in fortschrittliche Technik. Johann gehörte 1886 zu den Gründern der Spar- und Darlehnskasse und war Mitglied der Kommission, die sich ab 1893 um das Projekt der Bahnverbindung von Gütersloh über Verl nach Hövelhof bemühte.

Nach seinem Tod übernahm Ehefrau Katharina – mit 45 Jahren bereits Witwe und Mutter von zehn Kindern – die Leitung des Unternehmens. Sie schloss 1898 einen Vertrag mit dem jungen Anton Blomberg ab, mit dem er als Lehrling im Bäckerhandwerk ausgebildet wurde. Bei freier Kost und Logis erhielt er im ersten Lehrjahr einen Jahreslohn von 60, im zweiten von 90 und im dritten von 120 Reichsmark. Dabei hatte er sich nach klaren Verhaltensregeln zu richten: die Einhaltung häuslicher Gebräuche und kirchlicher Verpflichtungen.

Georg Blankemeyer, geboren 1735 in Recke im Kreis Steinfurt, war der Vater von Johann-Georg, der 1779 dort das Licht der Welt erblickte. Er kam als junger Bursche auf seiner Wanderschaft in das Verler Land, siedelte sich dort an und heiratete 1802 in Kaunitz Cordula Kleinekämper. Sie bekamen vier Kinder. Johann Georg starb bereits mit 33 Jahren. Sohn Joan Friedrich Blankemeyer, geboren 1807, heiratete Anna-Maria Pahnhenrich. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen jedoch vier früh verstarben.

 Ihr Sohn Johann-Heinrich, geboren 1845, heiratete 1873 Katharina Knewel. Sie schenkte elf Kindern das Leben. Eine Tochter starb im Alter von gut 20 Jahren. Die Tochter Elisabeth heiratete einen Wilhelm Behrendt. Ihr Enkel Roland Behrendt ist Chronist der Familiengeschichte. Die Söhne von Johann und Katharina Blankemeyer, Fritz und Franz, haben das Fleischunternehmen Johann Blankemeyer in Verl weiterentwickelt und von 1923 bis 1925 die ehemalige Westfalia Fleischwarenfabrik an der Gütersloher Straße 122 in Kooperation mit dem christlichen Konsumverein auf- und ausgebaut. Die Produktion begann im August 1925. Im Jahr 1928 verkauften sie ihren Unternehmensanteil und gaben den Standort Verl komplett auf. Sie übernahmen die Gütersloher Fleischwarenfabrik Marten.

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