24 Stunden am Tag sind nicht genug
Bild: von Stockum
Bei der Verleihung: (v. l.) Landrat Sven-Georg Adenauer, Hedwig Balsliemke und Bürgermeister Paul Hermreck.
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Lange waren 24 Stunden am Tag für Hedwig Balsliemke nicht genug. Seit ihr Mann Hubert vor nunmehr 35 Jahren an Multipler Sklerose (MS) erkrankt ist, gibt es so etwas wie Freizeit für die jung gebliebene 68-Jährige nicht mehr. 1978 bekam ihr Mann an einem Tag zwei so schwere Krankheitsschübe, dass er auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Ein Spagat in vielerlei Hinsicht

Gelähmt und sprachbehindert, aber geistig topfit, war der Landwirt von heute auf morgen auf Pflege rund um die Uhr angewiesen. Die vier Kinder des Ehepaars – drei Mädchen und ein Sohn – waren damals zwei, vier, sechs und acht Jahre alt. Und außer Haushalt und Familie sowie dem Ehemann gab es ja auch noch den Hof, um den sich gekümmert werden musste. Ohne die Verwandten und gute Freunde – „so etwas soll man nicht vergessen“ (Hedwig Balsliemke) – wäre der tägliche Spagat in vielerlei Hinsicht nicht möglich gewesen, sagt die Ausgezeichnete rückblickend. Auf einen Pflegedienst hat sie immer verzichtet – außer an den Tagen, an denen die gebürtige Österwieherin selbst krank war.

Hof sollte erhalten bleiben

„Es gab so viele Tiefschläge“, erinnert sich Hedwig Balsliemke an viele schere Stunden, die sie und ihr Mann auch dank der Hilfe von Freunden und Verwandten gemeistert haben. „Huberts Wunsch war es immer, dass der Hof erhalten bleibt“, ist die bescheidene Trägerin der Bundesverdienstmedaille stolz darauf, es tatsächlich auch geschafft zu haben. Heute wird der Betrieb von Sohn Werner und Schwiegertochter Doris geführt.

Überraschung ist gelungen

Nach der Feierstunde im Rathaus fährt das Ehepaar Balsliemke nach Hause. Im kleinen Kreis – mit Menschen, die die Familie unterstützt und angepackt haben – lässt man den Tag bei einem Abendessen ausklingen. „Die Überraschung ist wirklich gelungen“, sagt die Kaunitzerin, die mit vielem, aber nicht einer Bundesverdienstmedaille gerechnet hat, als der Landrat anrief.

„Man musste immer kämpfen“

Und trotz aller Widrigkeiten haben sich Hedwig („Man musste immer kämpfen“) und Hubert Balsliemke ihre Lebensfreude erhalten. Das Schützenfest in Kaunitz ist für sie Pflicht – schließlich war der Landwirt 1970/1971 dort König. So lassen es sich auch die anderen Regenten nicht nehmen, regelmäßig an der Oststraße vorbeizuschauen.
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