37 Haushalte hoffen auf eine Lösung
Bild: Tschackert
In Sachen schnelles Internet außen vor sind Matthias Humpert (links) und Peter Wittenborg mit ihren Häusern an der Bornholter Straße. Sie würden das gern ändern. Deshalb haben sie mit allen 35 weiteren Haushalten einen Bürgerantrag gestellt. In der Hoffnung, dass die Stadt Verl mit der Deutschen Glasfaser eine Lösung findet.
Bild: Tschackert

Die Einwohner rund um Bornholter Straße und Marienstraße in Bornholte fühlen sich von der technischen Entwicklung langfristig abgehängt und haben einen Bürgerantrag gestellt, um das zu ändern. „Das ist eine Nachfragebündelung von 100 Prozent“, sagt Peter Wittenborg und versteht nicht, warum er und seine Nachbarn nicht ans Glasfasernetz angeschlossen werden, zumal in Sichtweite gleich zwei Häuser sogar subventionierte Anschlüsse bekommen.

Der Fall der Anlieger ist ein Paradebeispiel für die Probleme, die beim Breitbandausbau in Deutschland auftauchen. So viel vorab: Die Stadt Verl darf nicht einfach handeln. Die Krux ist, dass Peter Wittenborg wie seine Nachbarn auch über der Grenze von 30 Megabit pro Sekunde liegen und damit für subventionierte Anschlüsse nicht infrage kommen. Gleichzeitig ist die Siedlung zu weit vom nächsten Knotenpunkt entfernt. Bei Wittenborgs sind es rund 1,2 Kilometer.

Zu weit für das Telekommunikationsunternehmen Deutsche Glasfaser aus Borken, das künftig 80 bis 85 Prozent im Stadtgebiet abdecken will. Aber nicht nur das Haus von Peter Wittenborg und seiner Familie ist betroffen, auch das des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Matthias Humpert ist außen vor. „Wir sind hier irgendwann ein blinder Fleck“, sagt Matthias Humpert. Peter Wittenborg sieht das genauso.

Wittenborg dreht sein Notebook um. Zu sehen ist eine Grafik mit konstant steigenden Geraden. „Das Koordinatensystem zeigt das sogenannte Nielsen-Law zur Bandbreitenentwicklung“, erklärt der 38-Jährige. Danach verdoppelt sich die Bandbreite alle zwei Jahre. Noch komme man mit der aktuellen Übertragungsgeschwindigkeit klar.

Erst im März 2019 hat die Deutsche Telekom mit der Vectoring-Technik das Tempo verdoppelt. „Aber nur bis zu 600 Meter vom Knotenpunkt“, schränkt der 38-Jährige ein. Die Anwohner an der Bornholter Straße wollen verhindern, von der Zukunftstechnik Glasfaser abgekoppelt zu werden. Deshalb haben sie einen Bürgerantrag gestellt. „Einfach, um Druck auf die Leitung zu bekommen“, sagt Wittenborg.

100 Prozent würden mitmachen

Die Anlieger hoffen, dass die Stadt Verl mit der Deutschen Glasfaser eine Lösung findet. Zuvor hat Peter Wittenborg die Nachbarschaft abgeklappert, einen Infoabend veranstaltet und viel Überzeugungsarbeit pro Glasfaser geleistet. Mit dem Ergebnis, dass er bei seiner privaten Nachfragebündelung im Oktober vergangenen Jahres 100 Prozent Zustimmung zum Glasfasernetz erreichen konnte.

„Aktueller Stand ist, dass die Deutsche Glasfaser erst einmal die Nachfragebündelung in Verl und Sende abwarten will und dann mit der Netzplanung beginnen will“, sagt Matthias Humpert. Das Problem ist: Die Stadt kann zwar mit der Deutschen Glasfaser reden, Fördergelder darf die Kommune aber nicht bezahlen.

Denn Peter Wittenborg, Matthias Humpert und Co. liegen in einem Gebiet, das es in jeder Stadt gibt: mit Internetanschlüssen, die einen Tacken zu schnell sind, um einen Ausbau mit Fördergeldern zu rechtfertigen. Aber die Häuser liegen zu weit von den Ortskernen entfernt. Das Gebiet ist zu dünn besiedelt, dass sich ein privatwirtschaftlicher Ausbau lohnen würde. Das gilt nicht nur für die Marienstraße und die Bornholter Straße, sondern auch für andere Gebiete in Verl.

Die CDU hatte im vergangenen Jahr dieses Thema in den Blick genommen. Sie hatte die Verwaltung gebeten, Handlungsoptionen beim Glasfaserausbau für die Außenbereiche sowie für die mit außerstädtischer Vorwahl, die bisher vom Ausbau noch nicht profitieren konnten, aufzuzeigen. Ob sich eine schnelle Lösung findet, ist fraglich.

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