Abdul ist wieder in seinem zweiten Zuhause
Bild: Munkelt
Abdul und sein Gastvater Hans Kleinehelftewes auf der Terrasse. Der Junge aus Afghanistan bereitet sich in Verl auf seine 36. Operation vor. Am Montag wird Abdul in der Uniklinik Lübeck aufgenommen. Bis dahin liest er begeistert das Buch „Im Schatten des großen Shiva“ und verbessert dabei stetig seine Deutschkenntnisse.
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Einen großen Kopf macht sich Abdul wegen des bevorstehenden Krankenhausaufenthalts nicht mehr. Dafür hat er schon zu oft auf dem OP-Tisch gelegen. Zuletzt vor einem Jahr in Lübeck, wo ihm Professor Peter Sieg in der Universitätsklinik Haut verpflanzt hat.

Das wird der Mediziner am nächsten Dienstag erneut tun und außerdem Korrekturen am Mund vornehmen. Abdul wurde vor drei Jahren in Mazar-i-Sharif Opfer einer Gasexplosion, verlor dabei ein halbes Bein und sein halbes Gesicht und erlitt schwerste Verbrennungen.

Das Friedensdorf Oberhausen holte ihn 2011 für Operationen nach Rheda. Dort lernte er den Verler Hans Kleinehelftewes kennen. Während die Verständigung seinerzeit nur mit Händen und Füßen möglich war, versteht Abdul inzwischen sehr gut Deutsch, spricht es gut und hat dank seines ehrenamtlichen Lehrers Werner Eckard auch das

Die Caritas Schloß Holte hat ein Spendenkonto für Abduls Operationen eingerichtet. Die Daten teilt Familie Kleinehelftewes gern mit. Sie ist per E-Mail erreichbar: hans.kht@gmx.de.
Lesen und Schreiben der ihm fremden Schriftzeichen gelernt.

Zurzeit liest er das Jugendbuch „Im Schatten des großen Shiva“. Dabei entspannt er von den Reisestrapazen: Unverschuldet und unter großem Aufwand erhielt Abdul das Visum für Deutschland erst auf den letzten Drücker.

Die Familie Kleinehelftewes hat Abdul, dessen Alter auf mindestens 14 Jahre geschätzt wird, im vorigen Jahr zum ersten Mal für sechs Monate privat beherbergt und mit großem persönlichen Einsatz sowie der Unterstützung von Freunden, Vereinen und Firmen seine Behandlungen und Flüge bezahlt. „Wir danken allen. Allein könnten wir es nicht schaffen“, sagt Hans Kleinehelftewes. Auch jetzt hoffen die Gasteltern auf Sponsoren für die Operation.

Abdul fühlt sich in Verl zuhause. „Ich habe zwei Familien“, sagt er. Montags geht er in den Jugendtreff St. Anna, mehrmals pro Woche zu Werner Eckard. Sein Schicksal hat ihn zu seinem Berufswunsch geführt: Prothesenbauer. Er hofft, solange er hier ist, mal ein paar Stunden in diese Arbeit hineinschnuppern zu dürfen.

Am liebsten bliebe Abdul für immer in Verl, doch das Ausländerrecht gibt das nicht her. So wird er in einigen Wochen, wenn sein Visum abläuft, nach Afghanistan zurückfliegen zu seinen Eltern und sechs Geschwistern und weiter zur Schule gehen, die ihm Hans Kleinehelftewes finanziert.

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