Ältere Schüler unterbinden Chaos im Bus
Bild: Schröder
Wenn Melike den jüngeren Mitschülern im Bus Verhaltenshinweise gibt, gibt es normalerweise keine Probleme.
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Es ist Freitag, 7.45 Uhr und vor der Hauptschule in Verl schon mächtig was los. Die meisten Schüler sind bereits im Gebäude, die Fünftklässler aber stehen vor der Tür und warten auf ihre Busse. Damit werden sie zur Außenstelle gefahren, wo ihr Unterricht stattfindet. Mit ihnen warten heute Melike, Maria, Leutrim, Marco, Nils, Donjeta, Diana und Kevin – und die haben eine besondere Aufgabe. „Stellt euch zu zweit nebeneinander. Und hört mit dem Quatsch auf“, ruft Melike den Jungen und Mädchen zu. Dann geht es in den Bus. Leutrim und Maria stehen an der Tür und gucken genau hin. Melike steigt hinter den Jüngsten der Schule ins Fahrzeug und fordert auf: „Zettel und Stift rausholen.“ Später erklärt sie, warum: „Es gibt zwei in jeder Klasse, die aufschreiben, wenn Schüler zu laut sind. Das bekommen dann die Lehrer.“

 Das Projekt Schulbusbegleiter gibt es an allen Verler Schulen. Es ist Teil des Sozialen Lernens und wird seit dem Schuljahr 2005/2006 durchgeführt. Seitdem seien kontinuierlich 30 bis 40 Schüler bei der Ausbildung im achten Schuljahr dabei, sagt Monika Hagemann, Betreuerin der Busbegleiter an der Hauptschule. Oft stelle sich schnell heraus, ob jemand für die Aufgabe gemacht sei oder eben nicht. „Manche machen es bis zum Ende ihrer Zeit hier, und das jeden Morgen.“

„Wir sind auch Vorbilder“

 So eine ist Melike. Die Neuntklässlerin erscheint innerlich stark und ist diejenige, die an diesem Morgen das meiste sagt. „Wenn die Fünftklässler keine Aufsicht hätten, wäre es chaotisch. Wir sind auch Vorbilder“, meint sie. So sehen das auch die anderen. Diana ist seit einigen Tagen neu dabei und hatte einen guten Grund, Busbegleiter zu werden: „Wenn wir irgendwo mit dem Bus hinfahren, nervt es ja auch, wenn Leute laut sind. Und da wünscht man sich manchmal schon, dass jemand was sagt.“

 Laut Monika Hagemann tun die Jugendlichen damit aber auch für sich selbst etwas. „Wir haben ein großes Reservoir an Schülern, die sich sozial engagieren. Sie entwickeln damit auch Lebenskompetenz für sich.“ Teilweise wundere man sich fast ein bisschen, wer sich dazu entscheide, diese Aufgabe zu übernehmen. „Die ganz Stillen sind manchmal genau die Richtigen und können sich gut durchsetzen.“

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