Arbeitstitel für Teststrecke gibt’s schon
Bild: Steinecke
Nur noch sporadisch genutzt werden die TWE-Gleise. Gleiches gilt für den Haltepunkt Bornholte. Das könnte sich ändern, wenn die Idee des Bürgermeisters umgesetzt wird.
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„Die Glocke“: Mit dem Vorschlag, eine Teststrecke einzurichten, haben Sie sich nicht überall Freunde gemacht. In Harsewinkel zum Beispiel war man nicht begeistert und fürchtete, dass die Reaktivierung der Eisenbahn zwischen Verl und Harsewinkel infrage gestellt wird.

Esken: Es geht ja nicht darum, die Reaktivierung infrage zu stellen. Das haben einige Menschen in Harsewinkel bewusst oder unbewusst nicht richtig verstanden. Das eine Projekt hat nämlich mit dem anderen zunächst nichts zu tun.

„Die Glocke“: Wie waren denn die Reaktionen auf ihren Vorstoß mit der Teststrecke?

Esken: Gut! Ich habe Mitstreiter gewonnen. Den Bürgermeister von Hövelhof, Michael Berens, zum Beispiel. Oder Professor Lothar Budde von der Fachhochschule Bielefeld. Und auch der Eigentümer der Strecke, das Unternehmen Captrain, ist im Boot. Wir haben bereits erste Gespräche geführt. Und auch einen Arbeitstitel gibt es schon: Urban Rail.

„Die Glocke“: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Esken: Man muss doch nur mal mit offenen Augen durchs Land gehen. Die Strecke wird derzeit nicht genutzt und soll auch mittelfristig nicht reaktiviert werden. Da habe ich mir die Frage gestellt, was dort möglich ist? Grundsätzlich geht es um eine bessere Vernetzung im ländlichen Raum.

„Die Glocke“: Was muss man sich unter diesem Projekt Teststrecke konkret vorstellen?

Esken: Wir reden in diesem Fall nicht von einer herkömmlichen Eisenbahn, sondern von kleineren Einheiten mit vielleicht 15 Plätzen. Wir wollen nicht das Rad neu erfinden. Aber wir wollen unterschiedliche Ansätze zusammenbringen. Wenn ich zum Beispiel mit Bahntechnikern spreche, sagen die mir zuerst, was alles nicht geht. Sie machen auf einen langen Bremsweg aufmerksam und auf die vielen Straßenquerungen. Vielleicht kann man das Problem mit kleineren Fahrzeugen aber einfacher lösen. Sie können zum Beispiel viel einfacher ausweichen, wenn sie sich begegnen, als wenn zwei herkömmliche Züge auf einem Gleis unterwegs sind. Die sogenannte Teststrecke dient ja auch nur als Kern für eine neue Mobilität im ländlichen Raum, die mit der Idee insgesamt verfolgt wird.

„Die Glocke“: Mit dem klassischen Bahnangebot im Stundentakt hat diese Idee nichts zu tun.

Esken: Richtig. Diese kleinen Fahrzeuge könnten wesentlich öfter fahren. Viel würde über den Bedarf gesteuert, der zum Beispiel über eine App auf dem Smartphone ermittelt und laufend angepasst werden könnte. Mehrere Steuerungstechniken könnten ineinandergreifen. Klar ist aber auch: Es ist zunächst nur ein Vorschlag. Ich habe einen Stein ins Wasser geworfen. Entweder ebbt die Welle, die er verursacht, langsam ab. Oder aber sie nimmt Fahrt auf. Eine Idee zumindest mal zu diskutieren, finde ich richtig.

„Die Glocke“: Was hat die Stadt Verl davon?

Esken: Zunächst ist es erst einmal ein innovatives Projekt. Das färbt auf den Standort insgesamt ab. Das ist ein weicher Standortfaktor. Es kann aber ein harter daraus werden, wenn das Projekt tatsächlich umgesetzt wird.

„Die Glocke“: Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Esken: Im Februar oder März nächsten Jahres wollen wir – das sind Professor Budde von der Fachhochschule Bielefeld und sein Team, der Bürgermeister aus Hövelhof, Verls Beigeordneter Thorsten Herbst und meine Wenigkeit – das Projekt bei der OWL GmbH vorstellen. Zuvor sollen noch Gespräche mit den Kreisen Gütersloh und Paderborn und dem Verkehrsverbund geführt werden. Auch ist es für den Fall, dass die Idee realistische Ansätze erhält, an der Zeit, die Politik vor Ort mit ins Boot zu holen. Die OWL GmbH kümmert sich übrigens um die Umsetzung der Regionale 2022, in deren Rahmen die Teststrecke umgesetzt werden könnte. Die OWL GmbH müsste in einem ersten Schritt prüfen, ob das Projekt förderungsfähig ist.

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