Attrappen locken Krähen vor die Flinte
Eine Lockkrähe

 „Wenn wir nicht eingreifen, gibt es in 20 Jahren nur noch Wildschweine, Füchse und eben Krähen“, sagt Jannick Kerkhoff zu dieser Aktion. Aus Jux und Dollerei findet die erste gemeinschaftliche Krähenjagd mit Mitgliedern des Hegerings und Revierpächtern in Verl, Kaunitz, Bornholte, Sürenheide und Sende keineswegs statt, denn im Lauf der Jahre hat die Population der Aaskrähen dermaßen zugenommen, dass andere Tierarten zurückgedrängt werden und Bauern um ihre Saat bangen.

Sie greifen sogar Lämmer an

Jungjäger Jannick Kerkhoff (18) erklärt: „Die Rabenvögel buddeln Saatgut wieder aus, knabbern die ersten Reihen der Maiskolben ab und plündern Singvögelnester.“ Auch kleinere Tiere wie Wildkaninchen würden getötet. Sogar Lämmer griffen die Krähen an. Arg zu leiden hätten auch Wasservögel wie am Steinhoster Becken. „Wir wollen aktiven Tierschutz betreiben und die Artenvielfalt gewährleisten“, fasst der Gymnasiast zusammen und vergissst nicht zu erwähnen, dass der Auslöser von Ungleichgewichten in der Natur stets der Mensch sei. „Weil er Biotope verändert, haben gewisse Tiere Vor-, andere Nachteile.“ Die Krähen hätten sich dem Menschen angepasst, so ideale Lebensbedingungen gefunden und sich viel zu stark vermehrt. Damit die 30 bis 40 beteiligten Jäger zum Abschluss um 11 Uhr beim Hof Kettelheut-Lohmann eine stattliche Strecke legen können – anvisiert sind 60 bis 70 Vögel – muss die Jagd mit dem entsprechendem Know-how durchgeführt werden.

Ohne Lockkrähen geht es nicht

Der Waidmann tarnt sich von Kopf bis Fuß – mit Kappe, Gesichtsmaske und Handschuhen. „Das sind sehr intelligente Vögel“, weiß Kerkhoff, der seit Mai seinen Jagdschein in der Tasche hat. „Wenn eine Hand zu sehen ist, sind sie schon weg.“ Außerdem muss auf dem Feld oder der Wiese per Netz ein Tarnschirm errichtet werden, wo der Jäger mit seinem Schrotgewehr in Stellung geht. Nicht aber, ohne vorher ein paar Attrappen, sogenannte Lockkrähen, auf dem Gelände platziert zu haben. Wenn die weder glänzen noch ein Krümelchen Schmutz im Gefieder haben, fliegen ihre Artgenossen aus Fleisch und Blut auf sie zu, weil sie etwas vom Futter mitpicken wollen. Sind genug da, drückt der bis zu 30 Metern entfernte Schütze ab – und etwa 500 Schrotkügelchen erledigen den Rest.

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