Babak Rafati: „Habe dem Tod ins Auge geschaut“
Bild: Dünhölter
Im angeregten Austausch nach dem Vortrag beim Sponsorenabend des SC Verl: Raimund Bertels (links), Vorsitzender des Sportclubs, und Referent Babak Rafati, Ex-Fifa-Schiedsrichter.
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Die Pfeife hängt seit Ewigkeiten am Nagel. Statt in der Champions League mit Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi über Tor und Abseits zu diskutieren, ist der gebürtige Perser und gelernte Bankkaufmann heute als selbstständiger Mentaltrainer, Vortragsredner und Firmenberater zu den Themen Burnout, Depression und Umgang mit Leistungsdruck unterwegs. Jetzt machte der 47-Jährige Station in Verl.

Bei Beckhoff Automation referierte Babak Rafati beim Sponsorenabend des SC Verl vor 120 geladenen Gästen über die positive Psychologie und konkrete Strategien zum Stressmanagement. In seinem mit Videos und Szenen aus seiner aktiven Karriere untermalten Vortrag „Brennen statt Ausbrennen“ wurden etliche Parallelen zum Geschäftsleben deutlich. „Was jeden Arbeitnehmer auf Dauer fertigmacht, ist das Verhalten der Vorgesetzten nach Fehlern oder vermeintlich schlechten Leistungen“, sagte Rafati. Das ließ nicht wenige im Raum aufhorchen.

„Ich habe dem Tod ins Auge geschaut“

Im ersten, von ihm selbst mit „Der Abstieg“ betitelten Teil schilderte der ehemalige Champions-League-Referee, wie ihn eine Mischung aus Ignoranz, Mobbing und Selbstzweifeln binnen 18 Monaten „immer kleiner und kleiner werden“ ließ und dazu führte, „dass ich mich immer mehr von mir selbst entfernte“. Rafati: „Ich habe dem Tod ins Auge geschaut, bin ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht macht.“

„Ich wollte doch nur wie ein Mensch behandelt werden“

Die um ein Haar tödliche Mischung aus Krankheit, Antriebslosigkeit, Schlaflosigkeit, selbst gewählter Isolation und Kontrollverlust endete im finalen Entschluss. Minutiös holte Rafati die Geschehnisse von Köln ins Hier und Jetzt. „Es fühlte sich schmerzlich und bedrohlich, gleichzeitig stark und gut an. Es gab viele Fragen, aber keine Antworten.“ Sein letzter Gedanke vor dem von einem Tabletten- und Alkoholcocktail bedingten Filmriss sei gewesen: „Ich wollte doch nur wie ein Mensch behandelt werden.“

Nachdem er mit Hilfe von Behandlungen und Therapien „aus der Enge der Verzweiflung in den Raum der Klarheit“ gelangt sei, begann Babak Rafati mittels eines Selbstfindungs- und Selbstführungsprozesses, das Heft des Handels wieder in die Hand zu nehmen. Die Schuld an der Misere habe er allein zu tragen: „Mich hat keiner getrieben – ich habe mich selbst getrieben.“

„Es liegt an uns, was wir aus unserem Leben machen“

Um für Krisenzeiten gerüstet zu sein, riet er zu einem Perspektivwechsel: „Wir wissen, wo es die günstigsten Handytarife gibt, aber nichts über uns selbst. Denken wir darüber nach: Was wollen wir vom Leben, was sind unsere Werte? Wenn wir das zuerst in unserem Leben festlegen, entscheiden wir über das Wie.“ Als Kernbotschaft gab er zu bedenken: „Wir sind der Hauptakteur in unserem Leben. Wir sind zwar oftmals der Auslöser von Problemen, aber auch die Lösung. Es liegt an uns, was wir aus unserem Leben machen, nicht an anderen. Nehmen wir unser Leben in unsere eigene Hand.“

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