Bauernfänger ohne öffentlichen Auftrag
Bild: von Stockum
Wer das Kleingedruckte liest, kann bei den Verträgen der Anzeigenverkäufer erkennen, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. Dennoch werden nach wie vor Firmen angesprochen.
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Im Mai hat die Stadt Verl die aktualisierte zweite Auflage der Informationsbroschüre für ihre Bürger veröffentlicht. „Nun versuchen mehrere Medienbüros aus ganz Deutschland offenbar gezielt, örtliche Unternehmen, die in dem Heft mit einer Anzeige vertreten sind, auch als Kunden für eine angeblich weitere geplante Neuauflage zu werben“, sagt Elke Hänel aus dem Rathaus. Die Pressesprecherin weist ausdrücklich darauf hin, „dass zurzeit keine Neuauflage des Heftchens geplant ist und keinerlei Anzeigenakquise von uns in Auftrag gegeben worden ist“.

Die Verwaltung empfiehlt allen Kunden, die in dieser Angelegenheit von Medienbüros kontaktiert werden, die Vertragsbedingungen genauestens zu prüfen und sich gegebenenfalls im Rathaus unter 05246/961103 zu melden. Strafanzeige ist bisher noch nicht gestellt worden. Zum einen, weil es nichts Schriftliches gibt, zum anderen, weil die Nepper mit unterdrückter Rufnummer mit den Unternehmen in Kontakt getreten sind.

Ob eine Firma auf die Masche hereingefallen ist, ist nicht bekannt. Gemeldet haben sich bei der Stadt nur solche Betriebe, denen das Angebot irgendwie spanisch vorkam. „Wir hatten im Sommer bereits einen ähnlichen Vorfall“, sagt Elke Hänel. Damals sei es um eine Energieberatungsbroschüre gegangen, die angeblich im Auftrag der Stadt Verl erscheinen sollte. Erst am Dienstag hat die „Glocke“ über einen Fall aus Herzebrock-Clarholz berichtet. Dabei hatte ein Vertreter behauptet, er sammele Anzeigen im Auftrag der Verkehrswacht. Der Firma Wissmatec kam das seltsam vor und legte dem Mann vorerst das Handwerk.

Internetforen sind voll mit Warnungen vor der Masche. „Es entsteht insoweit ein Schaden, als dieses Medium im Minimalauflage produziert wird und aufgrund inhaltlicher Belanglosigkeit und mangels ausreichender Verbreitung keine Werbewirkung entfaltet“, schreibt ein User bei www.wer-weiss-was.de. Zudem werde der Eindruck erweckt, es handele sich um einen einmaligen Auftrag. Tatsächlich gehe der Vertragstext aber von halbjährlicher Erscheinungsweise aus. Das bedeute, die genannte Summe werde mehrfach fällig.

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