Bewährungsstrafe für Reifendiebstahl
Glockeportal Justiz

Die kaufmännische Angestellte wurde im Auftrag des Firmenchefs zur Detektivin bestellt. Sie beobachtete, wie der für die Karteikarten- und Listenführung verantwortliche Kollege nagelneue Reifen im Außenlager abstellte, die gleich am nächsten Tag verschwunden waren. Am Dienstag verurteilte das Schöffengericht Gütersloh den Monteur, 30 Jahre alt, Gütersloher, der seine Arbeitsposition „schändlich missbraucht“ haben soll, wegen besonders schweren Diebstahls in 43 Fällen (etwa 350 Reifen) zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe – zur Bewährung ausgesetzt.

„Ich entschuldige mich bei meinem ehemaligen Chef“, ließ der Mann Reue erkennen. Weil er voll geständig war, konnte der Ersttäter gerade noch einer Haft entgehen. Drei Jahre muss er sich bewähren. Er soll 150 Sozialstunden ableisten. Und er hat Zeit genug, über eine Privatinsolvenz nachzudenken, um seinen Schuldenberg von 30 000 Euro abzutragen, den er sich eingebrockt hat – vor allem durch Sucht: Er beteiligt sich bis heute regelmäßig im Internet an Sportwetten.

Die Staatsanwältin: „Er ging hobbymäßig dem Glücksspiel nach, um seinen Lebensstandard zu erhöhen und seine Schulden zu begleichen.“

„Sind Sie mit den Reifen unterm Arm einfach aus der Firma marschiert?“, wollte die Richterin wissen. Der Dieb schilderte offen, wie er die Sache zwischen 2010 und Mai 2014 eingefädelt hatte: Hinter der Firmenhalle, wo Container standen, lagerte er einen oder zwei Sätze nagelneuer Reifen, die der gelernte Auto-Mechaniker tagsüber mit Blick auf den bestmöglichen Verkaufserlös ausgesucht hatte – Fabrikate der Firmen Bridgestone, Micheline, Dunlop und Co. Im Internet inserierte er und fand zwei bestimmte Käufer. Es handelte sich, so wird vermutet, um Hehler aus Aachen, die das Diebesgut zum Spottpreis abholten. Über die Personalien seiner Kunden schwieg sich der Angeklagte aus.

Der Monteur wurde fristlos gekündigt. Sein von ihm enttäuschter Chef (73) sagte am Dienstag: „Bei 7000 Reifen fallen vier, die weg sind, nicht auf.“ Die Differenzen seien immer größer geworden: „500 Stück hat er gestohlen. Uns hat das fast an die Existenzgrenze gebracht.“ Dreist landete der Reifendieb seinen letzten Coup: Er stieg übers Dach in seine Exfirma ein, klaute wieder einen Satz Reifen und plünderte sogar die Kaffeekasse.

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